308
I. Abteilung. Abhandlungen.
Ich habe nach dieser Seite hin Dörpfelds Verdienste wiederholt hervor
gehoben: In den Artikeln in Neins ..Pädagogischen Studien": Zum Kampf
um die Schule (litterarisch-kritische Betrachtungen), in dem Jahrbuch für wissen
schaftliche Pädagogik Jahrg. 1890 S. 191 — 270 unter der Überschrift: „Er
ziehung und Gesellschaft"; in den drei Heften: „Die Schule und die
socialen Fragen unserer Zeit" (Gütersloh 1890/91) und vor allem
in der Schrift: Die F amil i en rech te an der öffentlichen Erziehung.
Ein Wort der Verständigung im schulpolitischen Kampfe. Zweite in Rücksicht auf
den preußischen Volksschulgesetzentwurf umgearbeitete und erweiterte Auflage. Mit
einem Vorwort von Prof. Dr. Rein. (Langensalza 1892.) In dieser letzten
Schrift ist bis auf weiteres auch wohl hinreichend klargestellt, warum die Partei
freunde des Herrn Rißmann, trotzdem sie sich „liberal" nennen und damit
Individualisten sein wollen, in der Schulverfassungssrage fast noch socialistischer
als die Socialdemokraten sind, während wir meinen, daß die menschliche Gesell
schaft und alle ihre Organisationen, mithin auch die Schule und die sie tragenden
Gemeinschaften, nur gedeihen können, wenn Individualismus und Socia
lismus in Harmonie und Gleichgewicht stehen. Das aber ist die
Quintessenz auch der Dörpfeldschen Anschauung. Darum betont Dörpfeld die
Bedeutung der Familie als der Urzelle aller socialen Organisationen. Darum
traut umgekehrt Herr R. der Familie ebensowenig Gutes zu, wie Bebel es in
seiner „Frau" thut.
Wir huldigen mit Dörpfeld ferner einem vielseitigen Socialismus und
Individualismus. Herr Rißmann und seine Freunde anerkennen im Grunde nur
den einen socialen Kulturträger und socialen Erzieher: den Staat. Wenn
aber Herr R. ihn nicht „lediglich als Rechtsgemeinschaft, sondern auch als
Volksgemeinschaft" — was er meines Erachtens eigentlich nicht ist, wohl aber
sein sollte —, auffaßt, so darf er aus seinem Nachsatze nicht allzuscharfe Konse
quenzen ziehen. Die Verordneten im „Roten Hause" Berlins möchten ihn sonst
zur Rechenschaft ziehen. Er muß von seinem Standpunkte aus schon jetzt das
specifisch Christliche in seiner Simultanschule dem Judentum opfern. Wollte er die
Überlieferung des specifisch deutschen Kulturgutes betonen, so hätte er eine
andere, die national-konfessionelle Schule, da der Jude zwar mit Leib und
Seele, gleich uns, dem deutschen Reiche und einem deutschen Staate als „Bürger"
angehören mag, nicht aber dem deutschen Volke. In Himblick auf die Volks
gemeinschaft ist und bleibt in der Regel der deutsche Jude jüdisch-national, wenn
er auch aus naheliegenden Gründen gewöhnlich das Internationale des nur begrifflich
epistierenden „Allgemein-Menschlichen" betont. Auch hier treibt die Staatsschule fest
und zeitigt widerliche Blüten, wie den Prozeß Riemer. Unser Schulverfassuugsprincip
ist duldsamer und freier. Wir wollen keinen Juden seiner Religion noch seiner Nationa
lität wegen zwingen, eine Schule mit christlichem und deutsch-nationalem Bekenntnis zu

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.