Die jüngste ostpreußische Provinzial-Lehrerversammlung. 309
besuchen. Wir gönnen ihm Freiheit für seine Anschauungen, wollen aber die
unseren ihm ebensowenig opfern.
Wir haben also auch einen Ausweg ans dem widerwärtigen Zwist zwischen
den sog. Antisemiten und Philosemiten, wie auch für Östreich zwischen Deutschen
und Slawen. Wir wollen jedem die Anschauung frei geben, so weit sie nicht
mit den sittlichen Begriffen des „Rechtsstaates" in Widerstreit kommt, wir wollen
also wirklich liberal.und tolerant sein, uns nicht bloß so nennen.
Ich weise jedoch ans diese Frage nur beispielsweise hin, um zu zeigen, daß
unser Familienprincip wirklich ein friedestiftendes ist, indem es die Freiheit
bringt. Alles rein Staatliche, auch die Staatsschule, aber ist kalter Rechts z w a n g,
und kann es nur sein. Zwang schafft aber Widerstreit.
Daß übrigens Dörpfeld schon seit drei Jahrzehnten in tiefernster Weise
nicht bloß mit dem Socialp ri n cip, sondern auch mit der Praxis der socialen
Fragen sich beschäftigt hat, scheint Herr Rißmann nicht zu wissen, kann es auch
kaum. Durch längeres Unwohlsein und unaufschiebbare Arbeiten, die meine junge
Anstalt mit sich bringt, war ich leider verhindert, die mir von Dörpfeld über
tragene Herausgabe seiner socialpädagogischen Nachlässe und längst vergriffenen
Abhandlungen zu besorgen. *) Ich hoffe aber, binnen kurzem soviel Zeit und
Muße zu finden und damit zugleich zu zeigen, ein wie klarblickender Individualist
und Socialist Dörpfeld war.
Dann bietet sich auch Gelegenheit, näher auf obige Streitfragen einzugehen.
Heute kann ich leider nur darauf hinweisen.
Sophienhöhe bei Jena, Anfang Juli 1895. I. Trüper.
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Die jüngste ostpreußische Provinzial-Lehrerversammlung.
Königsberg i. pr. im Juni d. 3. In den Pfingstferien, den 3.-6.
Juni d. I., tagte Hierselbst die siebzehnte ostpreußische Provinzial-
Lehrerversammlung. Unsere alte Provinzial-Hauptstadt war diesmal zu
meist darum als Versammlungsort gewählt, weil zu erwarten stand, daß die
gleichzeitig hier stattfindende große „N o rd o std eut sch e Gewerbe-Aus -
9 Ich muß aus dem Grunde bei dieser Gelegenheit die Freunde, welche bereits
darauf gewartet haben, um Entschuldigung bitten, umsomehr als ich bei dem Anlaß
dem Verstorbenen noch einen Denkstein der Dankbarkeit im Namen vieler zu setzen
habe.

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