Die deutsche Benennung des menschlichen Körpers und seiner Teile. 31
Langes Haar war Zeichen der Freiheit, Abschneiden des Haares Zeichen der
Knechtschaft. Mönche und Nonnen geben sich durch Abschneiden des Haares Gott
zu eigen. Die Jungfrau ließ die Haare fliegen, die verheiratete Frau band sie
unter die Haube. — Beim Schrecken stehen die Haare zu Berge, kriechen auf
dem Kopfe. Im Jammer rauft man die Haare. Aufgelöstes Haar ist Zeicheil
des Schmerzes. Einem Gegner fällt man ins Haar. Jemand zwingen zu
kommen: ihn mit den Haaren (an den Haaren) herbeiziehen. — Bei dem Aus
druck „Haare aus den Zähnen" oder „auf der Zunge haben", dürfen wir nicht
an das Barthaar denken; der Ausdruck ist hyperbolisch. „Mir ist von ihr
(meiner Frau) so viel Glücks beschert, als mir Haars auf der Zunge steht",
d. i. gar kein Glück, wie die Zunge kein Haar hat. Haare auf den Zähnen
haben, soll als Zeichen ungewöhnlicher Kraft oder großen Mutes gelten. Ein
tüchtiger Kerl heißt wohl scherzhaft ein „haariger" Kerl. Haaren ist Haare ver
lieren. Der Hund haart sich. Ein Kleid aus Haaren ist hären: denn es deckt
die edlen Glieder härenes Gewand. (Schiller.) Haare lassen ist zu Schaden
kommen. Man hat ihm tüchtig die Haare geschnitten. Schulden haben wie
Haare auf dem Kopf. Man findet ein Haar in einer Sache (in der Butter),
d. i. man hat Widerwillen oder doch Bedenklichkeit. — Das einzelne Haar ist
Sinnbild des Kleinen. Es fehlt nicht ein Haar. Es fehlt bloß ein Zimmer
mannshaar, d. h. ein Fingerbreit. Im Magdeburgischen heißt nämlich der große
Bleistift, den die Zimmerleute bei sich führen, ein Zimmermannshaar. Sein Leben
hing an einem Haar. Ich bin kein Haar weiter, als ich war. Einem kein Haar
krümmen. Ich frage kein Haar danach. Es ist kein gutes Haar an ihm. Alles
haarklein, haargenau erzählen. Wer unbedeutende Dinge als wichtig bearbeitet,
ist ein Haarklauber oder Haarspalter. Ein Haarstrich.
Er ist dreihaarig, d. i. mit Manneskraft ausgerüstet, ist ein vollständig
ausgewachsener Mann. Die Redensart hängt mit einer Stelle im Sachsenspiegel
zusammen, über die hier nicht weiter gehandelt werden soll. Aus diesem Sinne
— ein ausgewachsener Mann — entwickelte sich später: er ist erfahren, gewitzt,
durchtrieben, sowie auch der Ausdruck: ein haariger Kerl. Jemand ist dull-
haarig: von toller Art; widerhaarig, widerspenstig; leichthaarig, von leichter Art.
Die Haarbeutel von Seide für die langen Haare der Männer kamen um 1700
auf. Man verwendet den Ausdruck auch bildlich: sich einen Haarbeutel trinken.
Hebel giebt das Rätsel: Ratet, liebe Leser, was hab ich im Sinn? einer hals
am Kopf, ein andrer hats darin.
Früher bezeichnete mau das Haar auch mit fahs, fachs, vas, altnordisch
mit fax.
Für das Haupthaar haben wir auch die Bezeichnung Schopf. Das Wort
ist got. skuft, mhd. schöpf. Die Gelegenheit beim Schopfe fassen.
(Schluß folgt).

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