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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens :c.
Nächstenliebe beseelt und in den Tugenden der Mäßigkeit, Genügsamkeit und Zu
friedenheit geübt sein; b) sie sollen befähigt sein, am socialen Leben thätigen An
teil zu nehmen; o) sie sollen imstande sein, sich leichter als bisher eine angemessene
Stellung im Leben zu erringen, und im Wechsel ihrer Lebenslagen sollen sie eine
größere Anpassungsfähigkeit zeigen. 4, Um diesen Forderungen gerecht zu werden,
muß die Schule a) neben allen andern Tugenden die in These 3* genannten mit
allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln pflegen, b) die Lehrstoffe noch viel mehr
in Beziehung zum praktischen Leben setzen und die Elemente der Volkswirtschafts
lehre, Verfassungs- und Gesetzeskunde in den Rahmen der bestehenden Unterrichts
fächer einfügen, c) wieder mehr die formale Geistesbildung, wenn nötig unter
Beschränkung des Lehrstoffes, betonen, das Mädchenturnen, die Jugendspiele, das
Schwimmen, die Schulspaziergänge, die Gewöhnung der Schüler zur Befolgung
der Gesundheitslehren obligatorisch pflegen und, wo es erforderlich erscheint, ein
fache Buchführung, Stenographie, Handfertigkeits-Unterricht für Knaben und
hauswirtschaftlichen Unterricht für Mädchen fakultativ betreiben. 5. Die voll
kommene Durchführung dieser Aufgaben ist jedoch nur möglich, wenn a) ein neuer,
nach dem Gesetze der Konzentration aufgebauter Normal-Lehrplan dem Unterricht
zu Grunde gelegt; b) der Organismus der Volksschule nach dem Ideal der all
gemeinen Volksschule umgestaltet; e) die Lehrerbildung erhöht wird."
Der zweite Gegenstand der Tagesordnung war ein Vortrag des Privat
dozenten Dr. Kafemann über „di e Pflege des Gehörs und der
Stimme in der Schule." Dem Vortrage lagen folgende Thesen zu Grunde:
1. Es ist Thatsache, daß ein nicht geringer bestimmter Prozentsatz aller der Schule
zugeführten Kinder an Harthörigkeit leidet, die nicht selten sowohl in der Schule
wie im Elternhause irrtümlich aufgefaßt und auf Rechnung einer gewissen Nach
lässigkeit gesetzt wird. 2. Es ist deshalb die hohe Regierung zu ersuchen, in den
einzelnen Bezirken durch eine gemischte, aus Organen der Regierung, der Schule
und Ärzten zusammengesetzte Kommission die neu eintretenden Schüler untersuchen
zu lassen. 3. Eine sachkundige Untersuchung der Ohren bei den in das Seminar
eintretenden Zöglingen ist bis jetzt auch nicht verlangt worden, erscheint aber min
destens ebenso wichtig als eine solche der Augen und Lungen. 4. die gesanglichen
Übungen sind mit Rücksicht auf die bedeutsame ethische und physisch äußerst heil
same Einwirkung des Gesanges intensiver zu betreiben, und zwar streben wir
folgendes an, daß «a) auf den untern Stufen einmal täglich eine halbe Stunde
gesanglicher Unterricht zwischen die übrigen Stunden eingeschaltet und daß b) auf
den höhern Stufen der Unterricht bis auf eine Stunde ausgedehnt werde. 5. Es
ist eine unzweifelhafte Thatsache, daß Erkrankungen der obern Luftwege und der
Stimme im Lehrerstande in auffallender Häufigkeit auftreten. Die Ursachen sind
zu suchen a) in verschiedenen hygienischen Mißständen, insbesondere der noch häufig
anzutreffenden Übersüllung der Klassen, b) in eine vorzeitigem Ermüdung der
Stimme herbeiführenden falschen Gebrauch der Stimmwerkzeuge. 6. Als vor
beugende Maßregeln wären anzustreben a) eine Verkleinerung der auf die ein
zelnen Klassen entfallenden Schülerzahl, b) eine auf physiologische Grundsätze ba
sierte wissenschaftliche Trainierung der Stimme in den Seminaren durch eigens zu
diesem Zwecke ausgebildete kompetente Lehrkräfte."
Am zweiten Hauptversammlungstage hielt zunächst Herr Lehrer
Fett-Königsberg einen Vortrag über „Die Stellung des Lehrers in
der Schulverwaltung." Nach demselben wurden folgende vom Vortragenden

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