aufgestellte „Leitsatz e" angenommen: 1. Eine das Volksschulwesen wirklich för
dernde Inspektion kann nur von einem theoretisch und praktisch durchgebildeten
Fachmann ausgeübt werden. Die moderne Pädagogik verlangt daher, daß die
technische» Schulaufsichtsbeamten a) nicht nebenamtlich, sondern ausschließlich der
Volksschule dienen, d) den bewährten Kräften des Volksschullehrerstandes selbst
entstammen. 2. Der naturgemäße technische Leiter jeder einzelnen Schule ist der
alleinige bezw. erste Lehrer (Hauptlehrer, Rektor) derselben. Eine daneben be
stehende Lokalinspektion ist bei dem gegenwärtigen Stande der Volkspädagogik nicht
nur unnötig und den Lehrern gegenüber ungerechtfertigt, sondern sie ist auch —
zumal von Nichtfachmännern ausgeführt — einer gedeihlichen Weiterentwicklung
des Volksschulwesens und dem heute mehr denn je wünschenswerten Zusammen
wirken von Kirche, Haus und Schule hinderlich. 3. In den für die lokale Schul
pflege unbedingt notwendigen Selbstverwaltungsorganen (Schulvorstände, Depu
tationen, Synoden) müssen neben allen andern Interessenten (Staat, Gemeinde,
Familie, Kirche) sowohl die Schulleiter als auch die Klassenlehrer durch ihre selbst
gewählten Deputierten in ausreichender Weise vertreten sein/'
Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf den Gegenstand: „Schulbibel
oder Vollbibel," Res. Herr Rektor Wlotzka-Kö uigsberg. „Leit
sätze": I. Nach den „Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872" hat
die evangelische Schule die Aufgabe, ihre Zöglinge in das Verständnis der heil.
Schrift einzuführen. Die Vollbibel enthält aber vieles, was die Kinder 1. nicht
zu lesen brauchen, weil es für die Jugend überflüssig ist, 2. nicht lesen können,
weil ihnen das Verständnis dazu mangelt, 3. nicht lesen dürfen, weil es ihre
Sittenreinheit gefährdet und ihr Zartgefühl verletzt. Darum ist ein Bibelauszug
(eine Schulbibel) für alle Schulen dringend erforderlich. II. Das „Biblische
Lesebuch" von Völker und Strack besitzt alle guten Eigenschaften einer Schul
bibel, denn: 1. der gebotene Lesestoff ist für alle Schulen, von der Volksschule
bis zum Gymnasium, ausreichend; 2. alle sittlich anstößigen Stellen sind sorg
fältig ausgeschieden, alle ernste Bedenken erregenden Ausdrücke durch andere er
setzt; 3. die Auswahl des Bibeltextes hat die Billigung des Evangelischen Ober
kirchenrates in Berlin gesunden; 4. das preußische Kultusministerium hat die Ein
führung desselben in die Schulen genehmigt. Aus diesen Gründen ist die Ein
führung des „Biblischen Lesebuchs" auch in den Schulen Ostpreußens
schleunigst und mit allem Nachdruck zu erstreben."
Die Versammlung beschloß, im Sinne dieser „Leitsätze" alsbald bei den be
treffenden Schulaufsichtsbehörden vorstellig zu werden?)
Hierauf referierte Rektor Radtke-Drengfurth über die Frage: „Was
ha st du als Lehrer zu thun, damit man die Schule endlich ge
nügend würdigt?" In fesselnder und an vielen Stellen humorvoller Weise
wußte der Vortragende die Zuhörer über eine Stunde für seine Sache zu inter
essieren, so daß er sich, trotzdem seine Rede bereits der dritte Vortrag am Tage
war, der vollen Aufmerksamkeit der Versammlung bis zum Schlüsse zu erfreuen
hatte. So wurden denn auch die von ihm gestellten „Thesen" mit dankendem
Beifall angenommen: 1. Die Volksschule wird zur Zeit noch nicht genügend ge-
y Der jetzt viel behandelten Schulbibelfrage gedenkt das Schulblatt demnächst
näher zu treten. Meinungsäußerungen darüber, die als Material verwendet
werden können, wären der Schriftleitnng sehr erwünscht. D. Schrift!.
B|H

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