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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
würdigt. Das erkennen wir an den überfüllten, oft ungenügend ausgestatteten
Schulen, an dem Bestehen des Hütewesens, an den Bestrebungen, die Schulzeit
zu verkürzen, an der geringen Beachtung der Schulentlassungs-Zeugnisse, an dein
Bestehen der Vorschulen höherer Lehranstalten, an dem Vorzüge, den Schüler
unterer Gymnasialklassen vor guten Volksschülern, gestrandete Akademiker vor tüch
tigen Volksschullehrern finden. 2. Auch der Volksschullehrer erfährt nicht die
Würdigung, die er verdient. Das zeigt der Ausschluß von vielen Ehrenämtern,
die Verbindung mit dem niedern Kirchendienst, die geringe, oft sonderbare Be
soldung, die bestehende Ortsschulaufsicht, seine militärische Ausbildung. 3. Diese
nicht genügende Würdigung ist eine Folge des Festhaltens am Althergebrachten,
der eigenartigen Ausbildung des Lehrers, der einzelnen Lehrern leicht anhaftenden
Sonderlichkeiten und des Vorhandenseins einzelner Unwürdigen. 4. Die Achtung
vor Schule und Lehrerstand wächst stetig, wenn auch langsam. 5. Um das An
sehen der Schule zu erhöhen, wirke der Lehrer treu und mit Begeisterung in
seinem schönen Berufe; er sei nachsichtig gegen die mitunter aufgeregten Eltern
seiner Schüler, mache bei Urlaubserteilungen, Nachsuchen von „Hütescheinen" und
andern Gelegenheiten auf den Wert der Schule aufmerksam. 6. Der Lehrer
strebe ernstlichst nach sittlicher Vollkonunenheit, klage nicht am unrechten Orte über
ungenügende Besoldung und unwürdige Behandlung, halte treu zu seinen Kollege»,
schließe sich einem Lehrervereine an. Dem Vorgesetzten begegne er stets mit der
schuldigen Ehrerbietung, aber auch mit Offenheit und Freimut. Über Zwistig
keiten mit seinem Vorgesetzten und seinen Kollegen schweige er den Laien gegen
über. Er sei vorsichtig bei Übernahme von gewinnbringenden Nebenämtern und
bei der Annahme von Geschenken. 7. Eine Zersplitterung unserer Vereine in
Rektorcnvereine und dergl. kann die Achtung vor dem Lehrerstande nur vermindern.
8. Im bürgerlichen Leben, in Vereinen und Körperschaften suche er sich nützlich,
womöglich unentbehrlich zu machen, ohne dabei lästig und zudringlich zu sein. Er
sei kein politischer Agitator."
Nach dem Schlüsse der zwei Hauptversammlungen statteten sämtliche Teilnehmer
einen gemeinsamen Besuch in der hier vor acht Tagen eröffneten Nord-Ost
deutschen Ge Werbeausstellung ab?)
So verlief denn unser Lehrerfest, noch außerdem vom schönsten Frühlings-
Wetter begünstigt, nach allen Seiten hin hocherfrenlich und anregend, und wird
gewiß allen lieben Teilnehmern eine wertvolle Erinnerung bleiben. L.
Kleine Chronik?)
1. Fragwürdige Abstimmungen.
Gegen die hie und da übliche Unsitte, Fragen wissenschaftlicher Art
dadurch zur Entscheidung zu bringen, daß man sie der Ab stimm» ng unterwirft,
1) Anm d. Red. Es folgt eine anziehende Beschreibung der Ausstellung. Im
Blick auf die große Fülle dringenden und drängenden Stoffes, der vorliegt, müssen wir
uns versagen diese Schilderung zum Abdruck zu bringen.
2) Unter dieser Rubrik sollen kürzere Mitteilungen und Auszüge aus pädagogischen
Zeitschriften, die für die Leser des Schulblattes von besonderem Interesse sein können,
veröffentlicht werden. Die hier folgende erste Sammlung kommt leider etwas verspätet.

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