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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Wir verkennen keineswegs die Schwierigkeiten des biblischen Geschichtsunterrichts
auf der Unterstufe: aber wir beugen uns auch unter die Thatsache, daß namentlich in
Gegenden mit regem kirchlichem Leben an eine Verdrängung der biblischen Geschichte
aus dem Schulunterricht nicht zu denken ist, und daß bei dieser Frage die Methodik
nicht allein entscheiden kann. Eine sorgfältige Auswahl leichtfaßlicher biblischer Ge
schichten aus dem Leben Jesu hat übrigens vor den Märchen doch auch darin einen be
deutsamen Vorsprung, daß sie einen Unterrichtsstoff bilden, d e r i n n e r l i ch z u s a m m e n -
hängt und darum vielseitiger Verknüpfung leicht zugänglich ist, eine
Eigenschaft, die von den Verfassern der Schuljahre mit Recht als maßgebend für die
Auswahl der Unterrichtsstoffe angesehen wird, die aber den bunten, vielgestaltigen Mär
chen in diesem Maße nicht nachgerühmt werden kann. Wir empfehlen also nochmals
den vermittelnden Vorschlag, neben den Märchen auch den biblischen Geschichten Raum
zu gönnen im ersten Schuljahr. Der Lehrplan desselben würde dadurch eine Be
reicherung erhalten, die durch nichts anders ausgewogen werden kann, und die in
redestehende treffliche Schrift wird dann auch denen in ausgiebiger Weise nützen können,
die jetzt wegen der bestehenden Schulordnungen nicht den vollen Gewinn daraus ziehen
können. —
Es sei uns gestattet, an der Schrift noch einige kleinere Ausstellungen zu machen.
Wie schon erwähnt, ist in der vorliegenden Auflage die frühere Reihenfolge der Märchen
wesentlich verändert worden: auch sind zwei Märchen neu hinzugekommen. Man hätte
nun erwarten sollen, daß die einzelnen Abschnitte des Buches dieser veränderten Sach
lage Rechnung tragen würden, da die Märchen die didaktische Basis des gesamten
übrigen Unterrichts bilden sollen. Doch das ist nicht geschehen. Die Teile des Buckes,
die den naturkundlichen und den Gesangunterricht behandeln, ordnen die Unterrichtsstoffe
noch an nach der früheren Reihenfolge der Märchen. Dieses Mißverhältnis erklärt sich
wohl daraus, daß die einzelnen Lehrfächer von verschiedenen Verfassern bearbeitet worden
sind, hätte aber doch vermieden werden müssen in einer Schrift, die mit solchem Nach
druck für eine einheitliche Gestaltung des Lehrplans eintritt.
Um poetischen Stoss zum Deklamieren zu gewinnen, haben die Verfasser sich mit
Vorliebe den volkstümlichen Kinderreimen zugewendet. Geschöpft haben sie aus den
Sammlungen von Rochholz, Simrock, Arnim, Frischbier, Firmenich (nicht Firminih),
Dünger. So gern wir zugeben, daß die Auswahl im allgemeinen mit sicherer Hand
getroffen ist, so vermissen wir doch den Hinweis darauf, daß bei der Wahl der Kinder
lieder in allererster Linie die Heimat des Kindes zu berücksichtigen ist. Es hat jede
Gegend ihre eigentümlichen, originellen Kinderlieder, in denen sich das Denken und
Fühlen der Jugend am deutlichsten ausspricht, die darum auch als die Stammgüter der
Heimat das nächste Anrecht auf unterrichtliche Behandlung besitzen. Wer sich der Mühe
unterzieht, sie zu sammeln, wird erstaunt sein über die reiche Ausbeute, die der erste
Sprachunterricht hier gewinnen kann.
Als Mißgriff müssen wir es bezeichnen, daß die Verfaffer unter die zu singenden
Lieder auch den Choral: Ach, bleib' mit deiner Gnade aufgenommen haben.
Schon die Anlehnung dieses den innigen Gebetston anschlagenden Liedes an das
Märchen: Der Wolf und die sieben jungen Geislein erscheint uns verfehlt.
Aber auch abgesehen davon halten wir das Lied seinemJnhalt nach für viel zu
abstrakt und seiner Form nach für zu kompliziert, als daß es der eng be
grenzte kindliche Geist, der noch ganz am Konkreten haftet, erfassen könnte. Die Aus
drücke „Gnade", „des bösen Feindes List," „das Wort des Erlösers wert," „uns sei
Gut und Heil beschert" liegen völlig jenseit des kindlichen Verständnisses. Die Folge
wird sein, daß das Kind die einzelnen Strophen völlig gedankenlos hersagt oder den
Worten einen ganz anderen Sinn unterlegt. Die vorzeitige Einübung und Verwendung
abstrakter religiöser Begriffe hat dann noch den besonderen Nachteil, daß die Schüler
sich angewöhnen, mit ihnen als mit geringwertigen Scheidemünzen umzugehen, so daß
sie später, wenn ihnen der tiefere Sinn erschlossen wird, sich leichtfertig darüber hin
wegsetzen. Freilich ist eine passende Auswahl von Kirchenliedern für die Unterstufe eine
überaus schwierige Sache. Die Kirchenlieder sind die lyrischen Ergriffe frommer Christen
seelen: sie setzen eine gereiste Lebenserfahrung voraus und sind darum wenig im Sinne
der Kinder gehalten. Das ist ein Hinweis darauf, daß man sich in dieser Beziehung
sehr beschränken muß. Es wäre wohl am besten, man verzichtete für das erste Schul
jahr auf die Einübung von Kirchenliedern: die religiöse Erziehung des Kindes würde
dadurch nichts einbüßen. Wir halten dafür, daß sie hier weit weniger am Platze sind.

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