Die psychologisch-pädagogischen Grundsätze Dörpfelds. 327
Stellen. Daher mag es kommen, daß sie vielen Lesern nicht in ihrem
vollen Gewichte bemerkbar geworden sind.
Dieselben bieten sich hier in den Formen an, wie sie nach genauem
Durchsprechen mit Dörpfeld niedergeschrieben, ihm danach vorgelesen und
dann, wo es ihm nötig erschien, genau nach seinen Angaben, meist wört
lich, umgeändert worden sind.
Remscheid im Juni 1895.
Lambeck, Hauptlehrer.
Dir psychologisch-pädagogischen Grundsätze,
aus welchen Dörpfelds sprachunterrichlliche Kesornr-
vorschläge rutzen.
Die geschichtliche Entwicklung der Sprache lehrt uns, daß die Mund
sprache die älteste, die ursprünglichste ist, oder wie Dörpfeld es scherzhaft
ausdrückt: „Sprache kommt her von sprechen, nicht von schreiben." Die
Schriftsprache ist bloß ein künstlicher Ersatz für die mündliche Rede.
Die höhere Bedeutung der mündlichen Rede zeigt sich ferner darin,
daß das Schöne der Sprache sich am deutlichsten dem O h r zu erkennen
giebt, nicht dem Auge.
Dafür zeugt weiter, daß die mündliche Sprache viel verständlicher
und eindringlicher ist als die geschriebene. Um deswillen pflegen wir
ja auch das mündliche Wort ein „lebendiges" zu nennen, so daß also im
Vergleich damit das geschriebene gleichsam ein totes wäre, dem der Geist
fehlt. Dasselbe will der von Dörpfeld citierte Dichterspruch sagen, der
von jener Zeit redet, wo die Geschichte der Väter von Mund zu Mund
sich fortpflanzte: „Das Wort so heilig dort war, weil es ein gesprochen
Wort war."
Die höhere Bedeutung der Mundsprache steht also fest.
Daraus folgt für die Pädagogik als erster Grundsatz in diesem
Lehrfache:
1. Die Hauptwurzel der Sprachbildung liegt in den
Organen Ohr und Mund, also in der Mundsprache.
So lange daher diese Pfahlwurzel der sprachlichen Entwicklung nicht
bedeutend kräftiger gepflegt wird, als es bisher der Fall war, so lange
muß die Sprachbildung notwendig hinter ihrem Ziele zurückbleiben.
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