Die psychologisch-pädagogischen Grundsätze Dörpfelds. 333
Dörpfeld treffend in seinem „Didaktischen Materialismus", 3. Ausl. S. 65,
„ihr inneres Licht von den Sachen und leuchtet wiederum mit ihrem Formen
licht in alle Sachgebiete hinein." Wenn nun die Methodik eine angemessene
Verbindung zwischen Sach- und Sprachunterricht fordert, so heißt das
nichts anderes, als beiden Teilen wieder zu ihrem natürlichen Recht zu
verhelfen. Diese wechselseitige Förderung kann glücklicherweise auch bei den
meisten hier vorzunehmenden Übungen (Lesen, Reden, Hören) geschehen, weil
sie für beide Teile, den Sach- und Sprachunterricht, dieselben sind, wie
Dörpfeld in seinen Grundlinien, 2. Ausl. S. 42 f., ausführt, wo es heißt:
„Die drei Lehrmittel, welche der Sachunterricht zum gründlichen Durch
arbeiten seines Stoffes gebraucht: Hören, Lesen und freies Aussprechen,
sind genau dieselben, auf welche auch der Sprachunterricht hingewiesen ist.
Je mehr nun einem Lehrer an der Sachbildung gelegen ist, je eifriger
er demgemäß die drei Lernoperativnen treibt, namentlich das einprägende
Lesen und das freie Reproduzieren, desto erfolgreicher arbeitet er zugleich
für die Sprachbildung und zwar auf die beste Art, welche die Sprach-
methodik ersinnen kann. Und umgekehrt: je mehr einem Lehrer die Sprach-
bildung am'Herzen liegt, je eifriger er demgemäß am Wissensstoffe die
drei sprachlichen Übungen betreibt, nämlich durch das wohlpräparierte münd
liche Lehrwort ein aufmerksames Hören weckt, tüchtig lesen läßt und
fleißig das freie Aussprechen übt, — desto erfolgreicher arbeitet er
zugleich für die Sachbildung und zwar auf eine Weise, welche die Methodik
des Sachunterrichts nicht besser ersinnen kann. Wenn es sonst „Kunst"
heißt, zwei Töpfe über einem Feuer kochen zu können, — hier, bei der
Association von Sachunterricht und Sprachunterricht ist es Natur. Doch
dieses Bild sagt nicht genug. Jeder dieser beiden Lehrzweige kann nicht
besser für sich selbst sorgen, als wenn er mit eifersüchtiger Liebe für den
andern sorgt, — und kann nicht schlimmer sich schaden, als wenn er in
thörichter Eigensucht von dem andern sich isoliert. Kurz, Sachunterricht
und Sprachunterricht gehören zusammen wie rechtes Bein und linkes Bein,
wie rechte Hand und linke Hand, wie Mann und Weib, wie — Ver
nunft und Sprach e.*) Vernunft und Sprache, Denken und Reden, Sach
verstand und Wortverstand sind zu gleicher Zeit auf die Welt gekommen,
— darum wollen sie auch zusammen geschult sein."
Für die sorgfältige Ausnutzung des Sachunterrichts für die Sprach-
bildung spricht noch mehr. Auch wo diese Ausnutzung nicht mit Absicht
und Fl«iß geschieht, da wird doch jeder Lehrer wissen, daß es gerade der
Sachunterricht ist, aus welchem den Schülern eine große Bereicherung ihres
Wortschatzes zufließt; denn jedes- der drei sachunterrichtlichen Fächer hat eine
*) Vgl. o. S. 140. D. H.

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