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I. Abteilung. Abhandlungen.
und Sprechen. Offenbar sind Lesen und Memorieren für die Schulung
der Mundsprache viel einflußreicher als die Unterredung. Zwar findet auch
ein Einprägen der sprachlichen Formen statt, wenn die Kinder den Lehrer
und ihre Mitschüler sprechen hören; allein dieses Einprägen steht um ein
Bedeutendes hinter dem lesenden zurück und zwar um soviel, als ein Auf
fassen bloß mit einem Sinne hinter einem solchen mit mehreren Sinnen
zurückbleibt. Denn während die Schüler beim Sprechen bloß mit dem
Ohr die Sprachformen vernehmen, fassen sie dieselben beim Lesen und
Memorieren mit dem Ohr und dem Auge auf und üben sie zu gleicher
Zeit mit den Sprachorganen. So ist dieses Einprägen wenigstens um das
Dreifache eindringlicher und sicherer als beim bloßen Hören. Außerdem
werden beim Lesen und Memorieren auch die richtigen Wort- und Satz
formen eingewöhnt, wogegen beim bloßen Hören auch noch allerlei Un
vollkommenes und Falsches mit unterläuft.
Untersuchen wir nun, was gethan werden muß, um die Fertigkeit
(Können) in der Mundsprache in den eigentlichen sprachunterricht-
lichen Stunden so zu psiegen, daß mehr erzielt wird, als bis jetzt erreicht
worden ist. Es sagt sich von selbst, daß dann die Kinder in diesen
Stunden mehr lesen, mehr memorieren oder mehr sprechen müßten als bis
her. Sehen wir zunächst darauf, woher den Kindern die Gelegenheit ge
boten werden könnte, sich im Sprechen mehr zu üben als bis jetzt. Selbst
verständlich würde das nur dann möglich sein, wenn in dem Wechselverkehr,
der zwischen dem Lehrer und den Schülern stattfindet, der erstere weniger
spräche als bisher. Da nun aber die methodische Behandlung des Stoffes
genau vorschreibt, was da zu thun ist, und da man ferner annehmen muß,
daß geschieht, was sich gebührt, so kann in den Sprachstunden für den
Schüler unmöglich mehr Raum zum Sprechen gewonnen werden. Aus
ähnlichen Gründen, — um dies schon hier zu erwähnen, — wird auch in
den sachunterrichtlichen Fächern (Religion, Geschichte, Naturkunde) eine
Mehrübung im Sprechen nicht thunlich sein. Denn was dort an Unter
redung vorkommt, kann nur den Zweck haben, dem sachlichen Lernen zu
dienen. Wollte man mehr Sprachübung treiben, so würde das sachliche
Lernen dadurch geschmälert werden. Damit ist bewiesen, daß ein Mehr
im Sprechen nicht erzielt werden kann.
Da es nun nicht angeht, daß die Kinder im Sprachunterricht
mehr sprechen, so würde zu überlegen sein, ob sie nicht mehr lesen
können als bisher. Das einfachste Mittel dazu würde sein, die Zahl der
Lesestunden zu vermehren. Es fragt sich nur, woher man die Mehrstunden
im Lesen nehmen soll. Bedenkt man nämlich, daß die Zahl der Stunden,
welche für die Religion und die Realien angesetzt sind, ohnehin eine geringe

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