Die psychologisch-pädagogischen Grundsätze Dörpfelds. f 337
ist, so wird man nicht gewillt sein, hier etwas abzustreichen. — Wenn
nun auch auf diese Weise für unsere Forderung nichts mehr gewonnen
werden kann, so ließe sich vielleicht in den für den Sprachunterricht an
gesetzten Stunden selbst mehr lesen als bis jetzt geschieht. In denselben
ist eine zwiefache Aufgabe zu lösen, der Inhalt der Lesestücke muß zum
Verständnis des Schülers gebracht werden, und die Schüler müssen sich
im Lesen üben. Wollte man nun hier die Leseübung vermehren, so
müßte man die Erklärung beschränken, mithin würde der Schüler nur
Halbverstandenes lesen, und das wird niemand befürworten wollen. Dazu
ist noch zu bedenken, daß bei diesem Lesen jedes einzelne Kind nur wenig
an die Reihe kommt, und also auch daher die Übung nur eine geringe ist.
— Nun könnte man daran denken, das häusliche Lesen mehr in Dienst
zu nehmen. Aber auch dieser Gedanke ist auf dem Boden des eigentlichen
Sprachunterrichts nicht wohl ausführbar. Denn da ein vermehrtes häus
liches Lesen auch ein vermehrtes Durchsprechen der Lesestücke bedingt, dafür
aber einfach keine Zeit ist, so ist auch dieser letzte Ausweg abgeschnitten,
und .daraus ergiebt sich, daß es nicht möglich ist, das häusliche Lesen mehr
auszunutzen, als es bis jetzt der Fall ist.
Demnach steht fest: Es ist nicht möglich, den Kindern durch den
Sprachunterricht mehr Gelegenheit zum Sprechen wie zum Lesen zu geben,
als bisher geschehen; mithin ist auf diesem Wege ein höheres Maß von
Fertigkeit (Können) in der Aussprache nicht zu erreichen.
Es würde noch zu untersuchen sein, ob nicht mehr memoriert
werden könnte als bis jetzt? Bedenkt man aber, was alles das Kind in
Religion, im belletristischen Lesebuch und im Gesang zu memorieren hat,
so ist damit gewiesen, daß man dem Schüler in diesem Stücke nicht auch
noch weitere Leistungen zumuten darf, wenigstens nicht als häusliche Aufgabe.
Somit ist ausgemacht: Auf dem Boden des eigentlichen Sprachunter
richts läßt sich weder mehr im Sprechen, noch im Lesen, noch im Memo
rieren leisten als bisher geschah, und somit läßt sich von dort aus eine
größere Fertigkeit in der Mundsprache nicht erzielen.
Glücklicherweise giebt es doch noch eine Stelle, wo das so wichtige
Lesen und Memorieren eine größere Ausdehnung gewinnen kann und zwar
ohne Beeinträchtigung irgend einer andern Lernaufgabe. Diese Stelle ist
der gesamte Sachunterricht.
• Bei einer sachunterrichtlichen Lektion ist natürlich die erste Aufgabe
des Lehrers die, daß er den betreffenden Stoff zur deutlichen Anschauung
bringe. Ich nehme an, daß dies, sowie die erste Wiederholung, vermittelst
des freien mündlichen Wortes geschehe, wobei in der Naturkunde selbst
verständlich die Objekte sinnlich vorzuführen sind. Diese einmalige Repetition

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