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I. Abteilung. Abhandlungen.
reicht aber zur Befestigung des Stoffes nicht aus, es muß für diesen
Zweck mehr geschehen. Man kann nun die weitere Wiederholung nochmals
mündlich vornehmen. Aber einmal ist das nicht zweckmäßig, weil diese
Form keine Abwechslung bietet und daher für die Kinder leicht langweilig
wird, sodann aus dem Grunde, weil sie von ihren Mitschülern manches
Mangelhafte zu hören bekommen und ferner, weil es nur auf dem Gehör
beruht.
Nehmen wir nun an, daß dieses zweite Wiederholen durch Lesen des
betreffenden Stückes im sachlichen Lernbuche geschehe. Damit gewinnen wir
folgende Vorteile:
Erstlich tritt die Wiederholung in einer neuen Form auf und ist
darum interessanter.
Zum andern kommt den Kindern nichts sachlich und sprachlich Mangel
haftes in Ohr und Auge, sondern nur das Richtige.
Drittens basiert dieses Einprägen nicht auf einem Sinne, sondern
Ohr, Auge und Mund sind zugleich thätig.
Da nun die zweite Wiederholung um des sachlichen Lernens willen
nötig ist, mithin die Zeit dafür verfügbar sein muß, so wird durch dieses
repetierende Lesen nicht nur keine andere Lernaufgabe beeinträchtigt, sondern
vielmehr einer solchen gedient. Weil nun dieses Repetieren, wenn es lesend
geschieht, keine andere Lernaufgabe einschränkt, vielmehr dem sachlichen Lernen
dient und außerdem die drei vorhin genannten Vorteile bietet, so kann es
m. E. keine Frage sein, daß das weitere Einprägen nicht unterredungs
weise, sondern durch Lesen geschehen muß.
Gleichwohl bildet dieses Lesen in der Schule erst die Anbahnung zu
der geforderten Verbesserung des Sprachunterrichts; denn die behauptete
Ausdehnung im mündlichen Üben wird dadurch nicht etwa schon erreicht,
sondern erst eingeleitet. Das Lesen in der Schule soll nämlich in erster
Linie dazu dienen, die Kinder in die richtige Betonung hineinzubringen
und sie damit in den Stand setzen, daß sie die Lektion zu Hause richtig,
geläufig und darum leicht und ohne ein nennenswertes Opfer an Zeit nach
lesen können. Da nämlich allem, was zur methodischen Behandlung münd
lich geschehen muß, genügt wurde, so wird durch dieses häusliche Lesen
zunächst der Sachunterricht gefördert, er verliert nicht, sondern er ge
winnt, der Erfolg wird größer. Dasselbe gilt aber in noch weit höherem
Maße vom Sprachunterricht. Die mündliche Behandlung, die im
Interesse des Sachunterrichts ohnehin nötig ist, liefert dem häuslichen Lesen
einen deutlich zur Anschauung gebrachten Stoff, an dem nun das Üben
aufs erfolgreichste vor sich gehen kann. Außerdem fällt dieser Vorteil dem
Sprachunterricht völlig gratis zu, ohne daß derselbe auch nur eine Minute

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