Die psychologisch-pädagogischen Grundsätze Dörpfelds.
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dafür opferte und ohne, daß irgend eine andere Lernaufgabe auch nur im
geringsten etwas einbüßt. Durch das Lesen an diesem Stoffe werden den
Schülern die Sprachformen, wie sie im sachlichen Lernbuche vorkommen,
geläufig gemacht, sie prägen sich dieselben dadurch am sichersten ein und
zwar die richtigen, und zugleich machen sie sich dadurch die Zierden der
sprachlichen Darstellung zu ihrem Eigentum; d. h. sie lernen sich klar, be
stimmt und kurz ausdrücken. So wird auch der Forderung Dr. Magers
genügt, welcher bekanntlich rät: „Man mache ein gut geschriebenes Buch
zum völligen Eigentum des Schülers, er spricht dann ebenso gut, wie der
Autor schreibt."*)
Nun sollen die sachunterrichtlichen Lektionen womöglich auch eine schrift
liche Wiedergabe erfahren. Wenn sich dieselbe nun bloß auf das Münd
liche stützt, so können die Schüler möglicherweise auf die sachliche Wieder
gabe gerüstet sein, aber nicht auf die sprachliche. Bei diesen schriftlichen
Arbeiten ist nicht nur an den sog. Aufsatz zu denken, der gründlich durch
gesehen werden kann, sondern auch an die Arbeiten, die auf die Tafel ge
fertigt werden, bei denen eine genaue Korrektur ausgeschlossen ist. Damit
die Schüler wirklich Vorteil von diesen Arbeiten haben, und man nicht
schließlich darüber im Zweifel sein muß, ob der Schaden derselben in
sprachlicher Beziehung nicht größer ist als der Nutzen, so muß die Hülse
in der Vorsorge gesucht werden. Durch das Lesen aber prägen sich die
Schüler nicht nur die grammatische Form richtig und sicher ein, sondern
auch die stilistische und die Orthographie; die Sprachbildung wird besser,
weil richtiger.
Ist nun die schriftliche Arbeit angefertigt, so wird der Lehrer auch
freie mündliche Reproduktionen im Zusammenhange vornehmen lassen. Diese
erfordern dann aber wohl kaum noch eine weitere Vorübung von seilen
des Kindes. Denn wenn Anschauung, frageweise Reproduktion, Lesen und
schriftliche Übung ihre Schuldigkeit gethan haben, so ist ein Memorieren
geschehen, nicht ein wörtliches, aber ein judiciöses, und eben das ist gemeint.
In einem der sachunterrichtlichen Fächer, der bibl. Geschichte, ist das,
was die drei Grundsätze fordern, bereits im Gange, da hier ein Lesebuch
vorhanden ist. Sollen die drei Grundsätze nun auch in den beiden Real
fächern zur Ausführung kommen, so darf auch hier ein sachliches Lesebuch
nicht fehlen.
: ) Vgl. o. S. 118. D. H.

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