Zur Reform der Klassenorganisation.
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Zudem würde» die Eltern einen Schulwechsel weit mehr vermeiden, wenn ihr
Kind die ganze Schulzeit hindurch unter derselben Leitung bliebe. Ferner kommt
in betracht, daß die Schüler nach Anlagen und Fleiß und dem entsprechend auch
in ihren Leistungen und Fortschritten sehr verschieden sind, so daß die Schüler
einer Klasse doch durch die Versetzungsprüfungen bald von einander getrennt
würden. Jedoch werden Kinder, die wegen längerer Krankheit hinter ihren Mit
schülern zurückgeblieben sind und die jetzt meistens nicht mit aufrücken, auch größere
Versäumnisse bald einholen, da der mit den Verhältnissen vertraute Lehrer die
wesentlichen Lücken mit geringer Mühe ausfüllen kann. Mangelhaft beanlagte
Schüler dagegen könnten gleich nach dem ersten Schuljahre mit den neu eintretenden
wieder von vorne anfangen. Dadurch erhielten sie einen um so gründlicheren
Unterbau und würden dann wohl mit den andern gleichen Schritt halten. Un
fleißige Schüler aber würden sich mehr als bisher anstrengen, da bei Durchführung
der Klassen die Rückversetzung eine ungleich härtere Strafe ist, als bei einem
System, welches Lehrer und Schüler jährlich auseinanderreißt. Dem Einwurf,
daß bei Einführung der von Tews vorgeschlagenen Reform Erziehung und Unterricht
in Einseitigkeit versinken müßten, wurde entgegengehalten, daß bei dieser Organisation
das Fachlehrersystem ebenso unentbehrlich ist, wie bei der heutigen, und daß
außerdem durch die Einflüsse der Miterzieher, nämlich der Eltern, des Gesindes,
der Mitarbeiter, der Umgebung rc., deren Macht oft unterschätzt wird, einer
einseitigen Erziehung ein Gegengewicht geboten wird. Wie traurig müßte es sonst
in dieser Beziehung in den einklassigen Schulen aussehen. Als ein weiterer Grund
gegen die Klassendurchführung wird angeführt, daß unter den Lehrern die Lehr
befähigung verschieden ist, indem einige sich besonders für Unter-, andere mehr für
Oberklassen eignen. Hierbei ist aber zu beachten, daß in vielen Fällen diese ein
seitige Befähigung des Lehrers durch langjährige, ausschließliche Beschäftigung in
ein und derselben Klasse erst großgezogen und hinterher als Grund angeführt
wird, den Lehrer nicht in höhere Klassen aufrücken zu lassen. Sodann wurde
darauf hingewiesen, daß der Lehrer bei längerem Verweilen in einer Klasse manche
Erfahrungen macht, die sich im folgenden Jahre gleich verwerten lassen. Hat z. B.
ein Lehrer der Unterklasse im 1. Jahre den Rechenunterricht im Anschluß an
Zahlbilder, im 2. Jahre mit Hilfe des Tillich'schen Rechenkastens erteilt, so kann
er die Resultate beider Weisen mit einander vergleichen, seine Theorie berichtigen
und dadurch im 3. , Jahre den Rechenunterricht um so erfolgreicher gestalten.
Andere Erfahrungen dagegen lassen sich auch bei durchgeführten Klassen in den
nachfolgenden Schuljahren verwerten. Ferner wird für den Lehrerwechsel geltend
gemacht, daß der Lehrer durch längeres Arbeiten auf derselben Stnfe den Unter
richtsstoff zum Vorteil der Schüler wissenschaftlich und methodisch besser beherrschen
lerne. Dagegen läßt sich jedoch einwenden, daß das erste Ersordernis für einen
erfolgreichen Unterricht die Kenntnis des Geisteszustandes der Schüler ist und
diese bei durchgeführten Schulklassen leichter und gründlicher erworben wird, daß
ferner die Form des Unterrichts für alle Fächer und Stufen gleich bleibt, weil
die psychologischen Gesetze der Aneignung dieselben sind, Die Schwierigkeit also nur
darin besteht, diese Form mit Inhalt zu erfüllen. Da aber die einzelnen Fächer
im Laufe der Schulzeit nach und nach auseinander treten, so ist dem Lehrer da
durch die Möglichkeit gegeben, sich mit den theoretischen Grundlagen auch nach und
nach genauer bekannt zu niachen, während er bei dem jetzigen System in Gefahr
gerät, allmählich einem gewohnheitsmäßigen Schlendrian zu verfallen.

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