Kleine Chronik.
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Hermann Beyer in Langensalza erschienen, umfaßt 21 Seiten und kostet 40 Pf.
Wir empfehlen ihn allen Lehrern und Freunden der Volksschule aufs beste. Einige
Abschnitte aus der Schrift, die „dem Andenken Friedr. Wilh. Dörpfelds" gewidmet
ist, werden den Inhalt genügend kennzeichnen.
S. 6. „Eine Gesellschaftsordnung, die sich von ethischen Gesichtspunkten
durchdriugen und leiten läßt, wird daher in erster Linie darauf sehen, daß denen
die Wege für eine freudige Berufserfüllung geebnet werden, denen sie die Erziehung
der Jugend anvertraut. Daß dies bisher noch nicht geschehen ist, weiß jeder.
S. 10. Wie im Forstwesen Forstmeister die Aufsicht führen, die, aus der
Mitte der Förster herausgewachsen, die gründlichste Kenntnis der Forstkultur mit
der Einsicht in die persönlichen Lebensbedingungen der Forstbeamten verbinden, so
sollen im Schulwesen Schulmeister die Aufsicht führen. Wie auf alle» anderen
Gebieten der unumstößliche Grundsatz gilt, daß die Aufsicht eines bestimmten
Faches nur von Fachleuten und von Fachkenuern geführt werden kann, so sollte
es auch auf dem Gebiete des Erziehuugswesens nur eine Fachaufsicht geben. In
keinem Fall ist einzusehen, warum dieses Gebiet, das an Wichtigkeit in dem Leben
des Volkes doch keinem andern nachstehen dürfte, hierin eine Ausnahme von der
allgemeinen Regel bilden sollte, nachdem es sich zu einem selbständigen Zweig
der Kulturarbeit entwickelt hat. Oder sollte diese Thatsache einem Zweifel unter
liegen? Wer da zweifelt, weiß nichts von der Entwicklung der Pädagogik,
speziell der Volksschulpädagogik, seit Pestalozzi, Herbart, Harnisch, Diesterweg,
Dörpfeld u. a.
S. 11. Der Staat darf sich in allen Instanzen der Schulaufsicht nur der
Fachmänner bedienen, die theoretisch gründlich durchgebildet und praktisch erprobte
Männer sind. Nur unter solcher sachkundigen, warm fühlenden und einheitlichen
Leitung kann das Schulwesen gedeihen. Selbst vorausgesetzt, daß alle nicht fach
männisch gebildeten Schulaufseher von dem besten Willen beseelt und von Eifer
und Liebe für die Sache getragen sind, so fragt es sich doch bei der umfassenden
Entwicklung der Methodik der Unterrichtsfächer, ob der gute Wille ausreichend,
ob der Sache und den Personen damit geholfen sei. Wir können nur den Stand
punkt aller der Staatsregierungen gutheißen, die vor allem in die Kreisschul
inspektionen nur Fachmänner eingesetzt und das Kreisschulamt damit als Hauptamt
eingerichtet haben.
S. 13. Die Einsichtigen und Verständigen unter den Geistlichen, die sich
auf einen höheren Standpunkt erheben können, werden deshalb ohne weiteres dem
Satze zustimmen, daß die Geistlichen von der Fachaufsicht über die Schule ent
bunden werden müssen, weil die Förderung des Schulwesens nach der technischen
Seite hin heutzutage nur von Personen erwartet werden kann, die ihre Lebens
aufgabe in der Bethätigung auf diesem Felde erblicken. Mögen es jetzt noch nur
wenige unter den Geistlichen sein, die freiwillig von der Schulaufsicht zurücktreten
wollen, ihre Zahl wird steigen, so wie man sieht, daß aus der äußeren Trennung
der in der technischen Ortsschulaufsicht in unnatürlicher Weise zusammengeschmiedeten
Glieder eine innere Vereinigung erwachsen wird, bei der beide Teile fröhlich ge
deihen. Ja ich möchte sagen, die Beseitigung der technischen Ortsschulaufsicht liegt
noch mehr im Interesse der Kirche als der Schule, vorausgesetzr, daß es ihr
nicht darum zu thun ist, ein Herrschaftsgebiet äußerlich zu behaupten, sondern
um Förderung des Volkes in allem Guten. Letzteres ist ein echt evangelischer
Gedanke.

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