362 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
S. 16. Wäre übrigens die Entkirchlichung der Schule notwendig mit der
Entchristlichung verbunden, dann müßten doch unsere Gymnasien schon längst dem
Atheismus und Materialismus verfallen sein, und es wäre ein Wunder, wie aus
diesen Schulen doch vortreffliche Geistliche hervorgehen können.
S. 16. Der Geistliche, dem die christliche Schulaufsicht genommen ist, wird
deshalb nicht aus der Schule getrieben, sondern erst recht hinein. Wer unter
den Geistlichen mit echt evangelischem Geist erfüllt ist, wer von den Pastoren
wirklich ein lebendiger Hirte ist, wird gern auf jede Aussichtsstellung verzichten
und sich allein verlassen auf seine seelsorgerische Wirksamkeit, die ihm seinen Einfluß
auf die sittlich-religiöse Förderung der Gemeinde sichert, somit auch der Schule
und des Lehrers. Die direkte Beeinflussung auf Grund einer geistlichen vom
Staate sanktionierten Schulaufsicht ist unter den heutigen Verhältnissen geradezu
von Nachteil. Darum müssen alle, die das begreifen, denen die Förderung
unserer Gemeinden am Herzen liegt, zusammenstehen und Einrichtungen beseitigen
helfen, die eine gesunde Entwicklung der Dinge schwer schädigen.
S. 18. Leitsatz 7. Der Staat soll sich in allen Instanzen der technischen
Schulaufsicht nur der Fachmänner bedienen, und zwar solcher, die theoretisch
gründlich durchgebildet und praktisch auf dem Volksschulgebiet hinreichend erfahren
sind. In keinem Fall sollten hierzu Geistliche, Ärzte u. s. w. im Nebenamt
beordert werden."
Am Schluß findet sich ein Verzeichnis der Schriften, welche seit 1797 in
der deutschen Litteratur über diese Frage erschienen sind.
2. Die allgemeine Volksschule.
Professor Rein ist ein eifriger Förderer der allgemeinen Volksschule, was
aus einer Broschüre zu ersehen ist, die er seinerzeit über diesen Gegenstand
geschrieben hat. Heute bringen wir einen Auszug aus einem Aufsatz über ge
nanntes Thema, den er in der vom Pastor Naumann herausgegebenen Wochen
schrift „Die Hilfe" veröffentlicht hat:
„Das gesamte Bildungswesen eines Volkes teilt sich naturgemäß in zwei
große Gruppen: in die Erziehungsschulen und in die Fachschulen. Letztere sind
notwendig, um den einzelnen Berufsständen tüchtige und geschickte Arbeiter vor
zubilden, die zu der Fortführung der verschiedenen Zweige der zusammengesetzten
Kulturarbeit etwas beitragen können. Dies ist aber nur möglich, wenn die
Schüler der einzelnen Fachschulen eine gute und solide Grundlage in den Er
ziehungsschulen erhalten haben.
Das Ziel der Erziehuugsschule soll sein, eine gute Gesinnung festzulegen.
Darin können sich alle Volksgenossen begegnen, hoch und niedrig, arm und reich.
Das soll das Band sein, das sie alle umschlingt, das zuerst geknüpft wird in
der Erziehungsschule, der Verwalterin köstlicher Schätze. Sie will damit zugleich
der gegenseitigen Entfremdung der Glieder des Volks entgegentreten. Diese Ent
fremdung ist bei uns schon weit gediehen, Gott sei's geklagt. An dieser Ent
fremdung gehen wir vielleicht zu Grunde, wenn ihr nicht energisch gesteuert wird,
und zwar zuerst durch eine rechte Organisation des Bildungswesens, die auf die
Einheit in den Grundlagen volkstümlicher Bildung sieht und erst nach oben hin
die notwendige Spaltung eintreten läßt.

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