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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
nur die Forderung ab, die Ungleichheit in der Vorbildung sauszugleichen durch
Errichtung von Volkskindergärten, welche die physische Pflege und die psychische
Entwicklung der Kleinen übernehmen an Stelle der Eltern, die, im Kampfe ums
Dasein stehend, nicht Zeit für die eingehende Erziehung ihrer Kinder finden.
Arbeiten die Volkskindergärten in rechter Weise, dann werden die Unterschiede in
der Weite der Anschauungen und der Klarheit der Vorstellungen zwischen den
Kindern der ärmern und wohlhabenden Klassen nicht so auffällig sein, daß man
nicht beide einer gemeinsamen Schulerziehung zuführen könnte. . . .
Reform oder Revolution — von diesem Hintergründe hebt sich auch die
Frage der allgemeinen Volksschule ab. Bekämpft diesen Gedanken, ihr Schulpäpste,
im Bunde mit den Vornehmen, und ihr werdet sehen, wohin der Kastengeist treibt,
der womöglich dem neugeborenen Erdenbürger schon in der Wiege seine besondere
Etikette aufdrücken möchte. Führt den Gedanken durch, ihr Freunde des Vater
landes, die ihr vom Geiste des Christentums euch leiten laßt, und ihr werdet
gewahren, wie aus einer längeren gemeinsamen Erziehung in der Schule ein
Same aufgeht, der schöne Früchte für die Stärkung des Gemeingeistes im Volke
zeitigen kann."
3. Aber seminarisch gebildete Lehrer
äußerte sich der Geheime Oberregierungsrat Dr. Schneider im preußischen Ab
geordnetenhause bei Gelegenheit der Verhandlungen über das höhere Mädchen
schulwesen in sehr anerkennender Weise. Von den 122 Direktoren höherer
Mädchenschulen, führte er aus, seien 18 seminarisch gebildet, „darunter sehr
tüchtige Direktoren". Er trat für die Gleichberechtigung der Seminariker an den
höheren Mädchenschulen mit folgenden Ausführungen ein: „Wenn wir stolz darauf
sind, Ihnen gesagt zu haben, wir haben seminarisch gebildete Seminardirektoren
und Seminaroberlehrer — warum sollen wir hier das Gebiet verschließen?! Erst
vor kurzem kam ein hochangesehener Botaniker, ein hochgelehrter Professor, an den
Herrn Minister mit der Bitte, zwei einfachen Elementarlehrern wegen ihrer
botanischen Studien den Oberlehrertitel zu geben. Warum in aller Welt soll
ein Mann von solcher Bildung nicht auch fähig und geschickt genug sein, um
Mädchen die Pflanzenkunde zu lehren, sie zu sinniger Betrachtung des Pflanzen
lebens zu erziehen? Muß das Französisch ausdrücklich auf der Universität oder
auf dem Gymnasium gewonnen sein, oder hat nicht mancher von uns die Er
fahrung, daß sein Gymnasialfranzösisch ihn wohl schwerlich befähigt hätte, fran
zösische Stunden zu geben? (Heiterkeit.) Also die akademische Bildung — ich
schätze sie ja gewiß; Gott, ich habe sie mir auch erworben — aber sie ist doch
nicht das einzige. War denn Graf Moltke akademisch gebildet, und der Minister
Roon und eine ganze Masse von Heerführern und Männern, deren Namen wir
mit hohem Stolz nennen? Warum nur immer beim Unterricht, wo soviel auf
Erziehung, auf sittlich tiefes und inniges Gefühl ankommt, immer nur den alten
Einfuhrzoll fordern, immer, statt auf Leistung und Bildung zu sehen, fragen:
Wo hast du deine Bildung erworben? Welchen Weg hast du eingeschlagen?
Ich glaube, wenn die jetzt künstlich erregte Verstimmung überwunden ist, werden
auch akademisch und seminarisch gebildete Lehrer wieder friedlich miteinander
arbeiten."

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