Aus der Welt des Traumes.
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nicht einmal darüber wundern. Wir multiplizieren gelegentlich ganz harmlos
3 X 3 - 20, wir finden nichts darin, daß ein Hund uns ein Gedicht hersagt,
daß ein Toter mit uns redet oder wohl gar auf eignen Füßen zum Grabe geht.
Man sieht sich wohl selbst im Sarge liegen, man hört die Klagen der An
gehörigen, die Leichenrede des Pfarrers und läßt sich in aller Gemütsruhe ins
Grab hinabsenken. Ohne Schwierigkeit machen wir eine Reise hoch durch die
Luft, mit sicherem Fuße schreiten wir über die Wasserfläche eines Sees dahin.
I. Paul sah sich einmal im Traume an einer Mittagstafel. Ihm gegenüber saß
ein kleiner, wunderlich aussehender Herr, der auf eine höchst sonderbare Art seine
Suppe zu sich nahm. Er schleuderte nämlich mit dem Löffel jedesmal die Suppe
hoch in die Luft und fing sie dann sehr geschickt und sicher mit dem Munde
wieder auf. Kurz, es giebt keine Tollheit, die im Traume nicht möglich wäre.
Dazu kommt dann weiter, daß die Traumbilder fortwährend zerfließen und sich
unversehens verwandeln. „Da sitzt man wohl bei Tische in einer lebhaften Ge
sellschaft; plötzlich ändert sich die Scene, und man befindet sich in einem Kuh
stalle, und wieder ohne merkliche Berknüpfung sieht man sich auf einen hohen
Berg versetzt, und schon fährt man in einem Sturme auf einem Segelschiffe von
Kleinasien nach Ägypten." Zusammenhanglos sind auch die Erinnerungen, die
aus dem wachen Tagesleben in die Träume hineinspielen. Vergangenes und Zu
künftiges erscheint uns als lebensfrische Gegenwart. Bald sehen wir uns in die
rosigen Tage der Kindheit zurückversetzt, bald verkehren wir mit längst verstorbenen
Personen wie mit Lebenden, bald sehen wir unsre Zukunftspläne verwirklicht,
oder wir finden uns in einem Berufe thätig, der unsern Bestrebungen und Zielen
sonst ganz fern liegt.
Höchst merkwürdig ist die außerordentliche Schnelligkeit, mit der viele
Traumerlebnisse sich vollziehen. In wenigen Minuten kann man im Traume
eine Reihe von Begebenheiten erleben, deren Abwicklung in der Wirklichkeit wohl
ebenso viele Stunden, wenn nicht gar Tage und Wochen erfordern würde. Der
bekannte H. Steffens erzählt folgenden Traum: „Ich -schlief mit meinem Bruder
in einem Bette. Im Traume sah ich mich in eine einsame Straße versetzt. Ein
wildes Tier von bizarrer Gestalt verfolgte mich. Bor Schrecken konnte ich nicht
rufen. Ich lief die Straße entlang, das Tier kam mir immer näher. Endlich
erreichte ich eine Treppe und konnte, durch die Angst erstarrt und das Laufen
erschöpft, nicht weiter. Ich wurde von dem Tiere ergriffen und schmerzhaft in
die Lende gebissen. Durch den Biß erwachte ich, und — mein Bruder hatte
mich in die Lende gekniffen." Der Kniff war offenbar die Ursache des Traumes.
Das Traumerlebnis vollzog sich also in der kaum meßbaren Zeit zwischen der
Empfindung des Kniffs und dem Erwachen. Ein zweites Beispiel. La Case,
der General-Postmeister Napoleons I., war nach der Rückkehr der Bourbonen
ins Gefängnis geworfen worden. Eines Abends sank er nach der gewohnten
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