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Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc.
zu regen anfängt, der Geistliche aber über Unsicherheit in den Hauptstücken klagt
oder die Konferenz der Kollegen findet, daß die Schüler nicht ordentlich lesen
können. Wissen läßt sich prüfen, geistiges Leben enthüllt sich erst eingehender
Beobachtung. Wie natürlich und verzeihlich, daß man dieses beiseite läßt und
dafür jenes pflegt!
Ein Versuch, die mangelhaften Zustände der Schule zu beseitigen, überzeugte
den Nachfolger des Lehrers L., einen noch jungen, 36jährigen Mann, daß er
Unmögliches angestrebt habe. Die immer wieder besonders im Religionsunter
richte unternommenen Versuche, den toten Stoff in geistige Kraft zu verwandeln,
verschlangen nicht nur eine Menge Zeit, stellten nicht nur die Sicherheit des Lern
stoffes ernstlich in Frage, sonderil lieferten auch der Hauptsache nach ein negatives
Ergebnis. Nach dreivierteljährigem ernstlichen Bemühen, Interesse und geistiges
Leben in der trägen Masse zu erzeugen, war er am Ende seiner Leistungsfähigkeit
angelangt und mußte wegen schwerer nervöser Erkrankung dispensiert werden.
Nach seiner Genesung mußte er wenigstens das Bestreben, allen Kindern, auch den
geistig armen etwas zu lehren, bis auf bessere Zeiten begraben.
Wie es in einer Halbtagsschule mit ungünstigen äußeren Verhältnissen aus
sehen mag, das wird der folgende Bericht den Leser wenigstens ahnen lassen. Am
Rande der L. . er Heide liegt das Dorf D., größtenteils von Waldarbeitern be
wohnt, daneben einige kleine Besitzer, Beamte, Handwerker. Es hat ungefähr
630 Einwohner, zumeist arme aber kinderreiche Familien. Seit etwa 6 Jahren
besteht dort eine Halbtagsschule, die 153 Schüler zählt. Davon erscheinen 80—90
Kinder der Ober- und Mittelstufe vormittags, mehr als 100 Kinder der Mittel
und Unterstufe nachmittags, da die Klasse nur für 120 Schüler Platz hat. Jene
100 Kinder erhalten wöchentlich 12 Stunden Unterricht, 2*/2 Stunde Religion,
6 St. Deutsch, 3 St. Rechnen und Ü? St. Gesang. Die Kinder der" Oberklasse
bekommen wöchentlich außer 2 Turnstunden 18 Stunden Unterricht, nämlich Re
ligion 4, Deutsch 4—5, Rechnen 3, Realien 3—4, Gesang 2, Schönschreiben
und Zeichnen je 1 Stunde. Die Schule liegt dicht an der ziemlich belebten
Landstraße und empfängt ihr Licht teils von vorn, teils von links her. Das
ziemlich lang ausgedehnte Dorf hat keine Kirche und der Geistliche kommt von
dem etwa eine Stunde entfernten Kirchdorfe, wohin auch die Konfirmanden wan
dern müssen. Der Lehrer ist mithin so ziemlich auf sich selbst angewiesen. Der
Lokalschulinspektor erscheint sehr selten und läßt ihm vollständig freie Hand, ebenso
der Kreisschulinspektor. Von beiden wird er zwar bedauert, aber helfen kann
man ihm nicht. Das Gehalt beträgt ungefähr 800 M. außer Wohnung und
Heizung. Dazu kommen 60 M. für die Mehrarbeit in der Halbtagsschule. Das
Ergebuis des Unterrichts ist unter solchen Verhältnissen natürlich sehr gering.
Wer begabt ist und der Hülfe des Lehrers nur in geringem Grade bedarf, lernt
etwas, die Schwachen, Unbegabten oder Faulen lernen so gut als nichts. Zum

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