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I Abteilung. Abhandlungen.
gründlichen Durchsehen der in Schule oder Haus gefertigten Arbeiten fehlt es an
Zeit, und es kann daher durch Lob und Tadel nicht genügend auf den einzelnen
Schüler gewirkt werden. Ein eigentlicher Massenunterricht ist auch nicht möglich,
da die Schüler untereinander zu ungleich durchgebildet sind. Es bleibt also bei
einer oberflächlichen Einwirkung auf die Gesamtmasse der verschiedenen Abteilungen.
Wo der Lehrer zu einer Berücksichtigung des einzelnen Schülers gezwungen ist,
wie beim Schreibleseunterricht der Unterstufe, da wird die Arbeit entsetzlich auf
reibend. Trotzdem der Lehrer ein junger Mann von 21—22 Jahren ist, vermag
er die ihm auferlegte Last kaum zu tragen. Ermattet von der übermenschlichen
Anstrengung eines vollen Schultages ist er nach Beendigung des Unterrichts zu
andrer Arbeit kaum noch fähig, besonders nicht mehr zu geistiger Arbeit. Und
doch soll er zum zweiten Examen arbeiten, ja, seine Hoffnung auf eine bessere
Stelle macht es notwendig, daß er dasselbe gut besteht. Dabei ist an einen
zweiten Lehrer kaum zu denken. Die Gemeinde ist gänzlich vermögenslos; jeder
Pfennig der Schullasten muß durch Umlagen ausgebracht werden. Ein zweites
Schulhaus will man wohl bauen, aber die Besoldung des zweiten Lehrers soll
der Staat zahlen, der diese Last lieber der Gemeinde überlasten möchte. Ein
Ende des traurigen Wettstreites zwischen Gemeinde und Fiskus aber ist vorläufig
noch nicht abzusehen.
In dreiklassigen Schulen mit zwei Lehrern liegen die Verhältnisse insofern
günstiger, als hier die Möglichkeit vorhanden ist, die Last auf zwei Schultern zu
verteilen. Doch steht mau hier vor einem Entweder-Oder. Entweder teilen sich
beide Lehrer in den Unterricht einer Klasse und dann leidet in dieser, meist der
Mittelklasse, die Einheitlichkeit des Unterrichts, oder ein Lehrer übernimmt zwei
Klassen, und dann sind die Mängel dieselben wie bei der Halbtagsschule.
Zur erstgenannten Kategorie gehörte die Schule zu L. Die Schülerzahl war
über 160 gestiegen und da jede der Klassen nur etwa 60—65 Schüler faßte,
so richtete man eine dreiklassige Schule ein. Die Unterklasse derselben zählte etwas
über 40 Schüler, nämlich die beiden ersten Schuljahre nebst den Zurückgebliebenen
und bekam 12 Stunden wöchentlich, davon 3 St. Religion, 3 St. Rechnen, 5
St. Deutsch und 1 St. Gesang. Sie wurde vom zweiten Lehrer allein ver
sehen. Die Mittelklasse enthielt auch 2 Jahrgänge mit mehr als 50 Kindern.
Hier wurden 20 Stunden erteilt, nämlich 4 St. Religion, 5 St. Deutsch, 3 St.
Realien, 2 St. Zeichnen und Schreiben und 2 St. Gesang vom zweiten Lehrer,
4 Stunden Rechnen vom ersten Lehrer. Die erste Klasse zählte etwas über 60
Kinder und hatte ziemlich normale Stundenzahl, nur in Zeichnen und Schreiben
war dieselbe etwas gekürzt, so daß der erste Lehrer einige Stunden mehr zu er
teilen hatte als sonst. Trotz dieser nicht allzu ungünstigen Verhältnisse waren
beide Lehrer froh, als die sinkende Kinderzahl eine Rückkehr zur zweiklassigen
Schule möglich machte. Neben der geringen Unterrichtszeit der Unter- und der

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