Die finanzielle Wirkung kleiner und großer Schulsysteme.
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gestaltung des Antlitzes, sondern darum, das Angesicht zum Spiegelbilde des er
wachenden edlen Charakters, kraftvoller Männlichkeit und holder Weiblichkeit im
gesunden Erfassen sinnlicher und seelischer Eindrücke werden zu lassen.
Um dieses Endresultat annähernd zu erreichen, müssen aber die
einzelnen Regungen und Schwingungen der Seele in Zucht genommen wer
den; denn nur durch deren Summierung wird ja der dauernde Ge
sichtsausdruck geschaffen. Niemals darf das Antlitz zum Spiegel einer ganz
rückhaltlosen, uneingeschränkten Leidenschaft werden. Das schönste Antlitz wirkt da
durch abstoßend. Läßt doch Ovid selbst Niobe, die göttergleiche, in dem Augen
blicke, da sie von Leidenschaft hingerissen unter die Scharen der Opfernden tritt,
nur mehr „insoweit schön sein, als es der Zorn zuließ quantum ira sinit
formosa“. Bergl. Ovid, Metamorphoses VI, 167). Gerade die wohlgefällige
Äußerung der stetig wechselnden Seelenregungen verleiht erst dem Antlitz Leben
und Reiz. Denn „was ist körperlicher Reiz anders als Schönheit in Be
wegung"? So wenigstens lehrt uns ein Altmeister der Ästhetik, Lessing, in
seinem unsterblichen Laokoon. (Laokoon, Kap. 21.)
Ein schönes Antlitz, das im Wechsel seiner Züge die Harmonie
einer schönen Seele offenbart — ist es nicht ein herrliches Ideal für den Er
zieher? Laß es auch zu dem deinen werden! Trage auch du nach Maßgabe
deiner Kräfte und Verhältnisse als ein rechter Bildner und Schulmeister an
deinem Teile dazu bei, daß ein jedes Abbild des Göttlichen mehr und mehr zur
Vollkommenheit des Urbildes heranwachse.
Die finanzielle Wirkung kleiner und großer Schulsysteme.
Es ist im Leben nicht selten die Wahrnehmung zu machen, daß eine Be
hauptung dadurch, daß sie immer wieder von neuem aufgestellt wird, allmählich
an Wahrscheinlichkeit gewinnt und endlich mit dem offenen Ausspruch auf Wahr
heit und Wirklichkeit hervortritt, den mau merkwürdigerweise allgemein als ge
rechtfertigt anerkennt, ohne den Wahrheitsbeweis zu verlangen. Auf diesem Wege
kann eine Behauptung zum Ansehen eines Axioms von großer Machtsphäre ge
langen. Solcher Grundsätze giebt es ohne Zweifel viele, und wer es unternähme,
dieselben in ihrer Unwahrheit und Falschheit bloßzustellen, hätte ihrer allgemeinen
Anerkennung gegenüber wahrlich einen harten Stand. Jedoch darf diese Gegner
schaft, die ihren Grund in dem physikalischen Gesetze der Trägheit hat, nicht von
dem Suchen und Streben nach Wahrheit abhalten.
Auf dem Gebiet der Schulorgauisation hat sich meiner Ansicht nach auch
ein solcher falscher Grund-, Lehr- oder Glaubenssatz eingenistet. Von den An
hängern der großen Schulsysteme wird immer und immer wieder behauptet, daß
dieselben billiger seien als die kleinen Systeme. Bewiesen hat es bis jetzt
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