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I. Abteilung. Abhandlungen.
meines Wissens keiner von ihnen. Jedoch haben sie durch ihre stetig wiederholte
Behauptung erreicht, daß nicht nur die interessierten Kommunen von deren Wahr
heit überzeugt sind, sondern auch die Verfechter der kleinen Systeme dieselbe still
schweigend als richtig annehmen. Sogar Dörpfeld ließ in seinem bekannten
Gutachten diesen Verteidigungsgrund der großen Schulsysteme dahingestellt sein,
indem er denselben als mehr oder weniger nebensächlich bezeichnete für solche Ge
meinden, denen es um das wahre Heil der Schulerziehung, nicht aber in erster
Linie um den Vorteil des Gemeindesäckels zu thun wäre. Dennoch glaube ich
aus der Art und Weise, wie sich Dörpfeld bei dem angedeuteten Punkte aus
drückt, herauslesen zu müssen, daß er für seine Person doch nicht so ganz von
der Richtigkeit des gegnerischen Arguments überzeugt war. Es möchte sich des
halb und weil der Geldpunkt zu allen Zeiten eine so bedeutende Rolle spielt,
wohl der Mühe verlohnen, die finanzielle Seite der vier- und achtklassigen Schul
systeme einmal genauer zu besehen.
Wir richten unseren Blick
A. auf die Herstellung der Schulgebäude
B. auf die Gehälter der Schularbeiter.
A. Bei den heutigen Verhältnisien, die im Handel mit Grund und Boden
herrschen, da die Bodenpreise namentlich in Jndustriegegenden zu schwindelhafter
Höhe emporgetrieben worden sind, dergestalt, daß gar nicht selten der Grund einen
höheren Wert repräsentiert, als das darauf gesetzte Gebäude, muß bei unserer
Untersuchung der Bodenfrage eine besondere Wichtigkeit zuerkannt werden. Das
Verhältnis der zu bebauenden Fläche zu dem freibleibenden Hofraume ist bei
Privatbauten in der Weise festgesetzt, daß Vs der bebauten Fläche als Hosraum
übrig zu bleiben hat. Jedermann weiß, daß bei Schulen ein anderes Verhältnis
zwischen Baufläche und Hofraum besieht. Für den diesseitigen Regierungsbezirk
wird behördlicherseits für jedes Schulkind auf dem Spielplätze 2, 5 qm Raum
gefordert. Hieraus ergiebt sich, daß die Größe des Spielplatzes im geraden
Verhältnis zur Klaffen- resp. Schülerzahl der Schule steht, wenn thatsächlich nach
den erlaffenen Vorschriften verfahren wird. Eine achtklassige Schule hat mithin
einen doppelt so großen Spielplatz nötig als die vierklassige, da sie doch auf die
doppelte Schülerzahl zu rechnen hat. An eine Ersparnis an der Spielplatzfläche
ist also bei der Einrichtung großer Schulsysteme schlechterdings nicht zu denken,
vorausgesetzt, daß nach den bezüglichen Bestimmmigen gehandelt wird.
Aber vielleicht möchten an der bebauten Fläche Ersparniffe zu verzeichnen
sein? Sehen wir zu! — Um möglichst vorteilhaft den Grund und Boden zu
verwerten, sucht der Privatmann seinen Bau in die Lust, die nichts kostet,
emporwachsen zu laffen. Je nach der Höhe der Bodenpreise entstehen 2, 3, 4
und mehrstöckige Häuser. Wäre ein solches Emporsteigen auch bei Schulen mög
lich, so dürfte freilich eine achtklassige Schule auf derselben Grundfläche erstehen,

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