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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
meyer-Zauleck: Wie man Kindern den Heiland zeigt immer noch
eine der besten Anleitungen bieten; da ist wenigstens viel Fleiß und Kraft auf
gewendet, wirklich kindesgemäß zu predigen.
Professor Bornemann wird nun vielleicht die Vergünstigung, um der
großen Schwierigkeit willen mit seinen Schulandachten*) nachsichtiger beurteilt
zu werden, als kränkend ablehnen. Aber ich meine wirklich, daß auch hier eine
Täuschung über das, was der Fassungskraft oder dem Interesse der Schüler ent
spricht, mit unterläuft, was ja freilich auch bei den vielleicht meisten Predigten in
bezug auf Erwachsene der Fall ist. In dieser Beziehung können wir gar nicht
„psychologisch" genug denken und lehren. Nun hat sich allerdings Bornemann durch
aus nicht an Perikopen, oder sonstige Lektionen gebunden, sondern 147 für die
Schule geeignete Texte ausgewählt; schon das ist ein großer Vorzug. Sodann
sind die meisten Andachten kurz und in vielen der Schulton ausgezeichnet getroffen.
Sehr viele Andachten scheinen mir aber doch über die Köpfe der Schüler weit
wegzugehen, oder höchstens in Primanern verständnisvolle Hörer finden zu können.
Eine Reihe von schweren oder den Leser fremdartig anmutenden Gedankengängen
mag ja sehr wohl durch den Unterricht den Schülern geläufiger gemacht sein; aber so wie
sie sind, können diese Andachten von andern Lehrern nur mit großer Auswahl be
nutzt werden. Auch hier wieder stoßen wir also auf die Forderung, daß Schul
andachten, sollen sie Frucht versprechen, nicht außer Zusammenhang mit dem
Religionsunterricht in der Luft schweben dürfen. — Aber allen Respekt vor der
geistigen Arbeit, die in diesen Andachten steckt! Manchem wird ja ihr Inhalt
nicht „kirchlich" genug, zu „modern" erscheinen; viele, sehr viele gebildete Leser
aber werden sich freuen, die alten Wahrheiten auch einmal in neuer Form und
zwar in solcher Gedrungenheit und oft großer Kraft vor die Seele gestellt zu be
kommen. Mir scheint, daß die Erwartung des Verfassers, daß „die Eltern unserer
Schüler und weitere Kreise irgend welche Anregung daraus gewinnen könnten"
und die Andachten auch zu häuslicher Erbauung sich verwerten ließen, sehr be
rechtigt ist, zumal in solchen Häusern, die es mit den „kirchlicheren" Andachts
büchern nicht wagen mögen. Manche Andachten sind von ergreifender Schönheit
und Kraft; die eine halbe Seite lange Betrachtung über das „feste Herz"
(S. 168) halte ich für ein unübertreffliches Meisterstück.
Auch Dr. Kratzt) bietet in 33 Schriftbetrachtungen und 153 Gebeten sehr
viel Gutes; aber auch er scheint die Auffassungskraft der Schüler zu überschätzen,
wenn er meint, mit diesen Betrachtungen die „rechte Höhenlage" für „alle
Schüler zugleich von den jüngsten bis herauf zu den ältesten und gereiftesten"
getroffen zu haben. Viele sind schon zu lang, um das Interesse des Schülers
fesseln zu können; und die Gebete sind durchweg viel zu lang. Doch habe ich auch
manche kurze, bündige und durchaus vorbildliche Andacht in dem Büchlein gefunden.
In der Schulagende von Direktor Z a n g e * 3 ) haben wir eine sorgsame
st Schulandachten von 1-io. tbeol. W. Bornemann, Professor und geistlicher
Inspektor am Kloster U. L. F. zu Magdeburg. Berlin 1889, H. Reuther. 198 S.
9 Schulandachten. Zum Gebrauche in höheren evangelischen Lehranstalten.
1. Schriftbetrachtungen. 2. Gebete. Bon vr. Heinrich Kratz, Pfarrer a. D. und
Gymnafial-Oberlehrer. Hanau 1889, G. M. Albert! 243 S.
3 ) Schulagende. Bibeltexte und Liedverse für Schulandachten und Schulfeiern
im Anschluß an das kirchliche bürgerliche Naturjahr. Sonderabdruck des Anhangs zum
Leits, f. d. evangel. Rel- U. von Prof. Dr. F. Zange, Real-Gymnas.-Dir. zu Erfurt.
Gütersloh 1893, C. Bertelsmann. 22 S>

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