Kleine Chronik.
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Auswahl von geeigneten Bibeltexten und Liederversen für alle Tage des Jahres.
Nun wird aber keine freie Ansprache, sondern nur ein Gebet nach „der freien
Wahl dessen, der die Andacht hält," im Anschluß an die Schriftverlesung vorgesehen.
Die Schriftstellen sollen sich also jedes Jahr wiederholen und so den Schülern
vertraut werden. Und gewiß sind es nicht zu wenige. Herr Koppelmann meint
in einer Anzeige dieser Schulagende (Zeitschr. f. Relig.- U. V. S. 241) wohl
nicht mit Unrecht, daß auch ein ganzer Jahrgang verschiedener Texte schon zu viel
für die Schüler seien; es laufen in einer so großen Zahl auch zu schwierige
unter. Borne mann erklärt sich überhaupt gegen eine Schulagende, denn er
fürchtet, unsere Jugend hat für liturgisches Handeln und regelmäßige Schrift
verlesung ohne Erklärung weniger Sinn und kann sich gar leicht gerade durch
tägliche, agendarische Andachten eine gewisse Unaufmerksamkeit bei der Verlesung
der heil. Schrift angewöhnen. Denn nur wenige Schristtexte können durch bloße
Verlesung jugendlichen Gemütern innerlich angeeignet werden und wirklich zum
Verständnis gebracht werden" (Vorwort zu Bornemann Schulandachten). Ich
stimme dem zu und sehe dadurch wieder das an die Spitze gestellte Princip
bestätigt, daß die Schulandacht ohne nähere Beziehung auf den Religionsunterricht
Gefahr läuft unfruchtbar und darum schädlich zu werden. Damit ist aber solchen
fein zusammengestellten Lektionarien wie dieser Zangeschen kleinen oder der großen
Palmieschen Schulagende durchaus nicht ihr Wert und mittelbare Brauchbarkeit
für ihren Zweck abgesprochen. Die liturgischen Schulfeiern Weihnachten,
Luthers Geburtstag rc., die Zange bietet, scheinen mir interessant zu sein.
Zu diesem Thema verweise ich auf die beachtenswerten Aufsätze von Koppel
mann, der ebenfalls von einer notwendigen engen Beziehung der Andacht aus
deu Religionsunterricht redet, wenn auch in anderem Sinne wie wir, Zeitschr. f.
Rel.- U. IV. S. 177 ff; sowie von Rinneberg a. a. O. IV. S. 158 ff.
der mit Wärme und überzeugender Kraft sich gegen solche Schulgebete wendet, die
keine wirklichen Gebete sind, sondern belehren, ermahnen, zurechtweisen wollen,
das Kind sozusagen anbeten, überhaupt gegen Andachten, die bloß aus „Schul
gebeten" bestehen.
Schließlich nenne ich noch ein Buch unseres verehrten Mitarbeiters Seminar
direktor G. Heine, das obwohl nicht streng zu unserm Thema gehörig, doch in
diesem Zusammenhang neben dem oben gerühmten Band Kinderpredigten von
Tiesmeyer-Zauleck erwähnt zu werden verdient. Heines Kinderpredigten
über Geschichten aus dem Alten Testament/) zeichnen sich durch schlichte
ruhige Darlegung des Gedankengehaltes der biblischen Geschichten aus und können
auch sehr wohl zur unterrichtlichen Darbietung im Dörpfeldschen Sinne mitbenutzt
werden. Geistreich und sehr brauchbar sind auch die Kinderpredigten von
Decoppet, übersetzt von O. Gleiss. Doch müßte dies Thema der Kinder-
predigten wohl noch einmal besonders und principiell besprochen werden, v. Rohden.
Kleine Chronik.
Gegen die Lchulkasernen.
Während man in Elberfeld dazu übergegangen ist, einzelne der mit der
Zeit zu sehr angewachsenen Schulsysteme in je zwei selbständige Anstalten zu zer-
9 Cöthen 1889, Verlag von Paul Schettlers Erben. 278 S. Preis 3 M.

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