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31. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
legen, hat man im Gegensatz dazu jüngst in Barmen den vielbeklagten Beschluß
gefaßt, eine Doppelvolksschule, eine Schule mit 16 Klaffen zu errichten. Die
Schulkaserne, diese Versenkstätte alles individuellen Lebens, wird also trotz aller
Gegenvorstellungen demnächst doch ihren Einzug ins Wupperthal halten, das sich
seither mit Recht rühmen durfte, auf dem Gebiete des Schulwesens mustergültige
Einrichtungen zu besitzen. Dieser beklagenswerten Thatsache gegenüber erwächst
allen, denen eine gesunde Weiterentwicklung des heimischen Schulwesens am Herzen
liegt, die ernste Pflicht, den Kampf gegen die übergroßen Schulsysteme von neuem
aufzunehmen und immer wieder auf die vielfachen Mängel und Schäden hin
zuweisen, die diesen Systemen anhaften. Gute Dienste vermögen in diesem Kampfe
die gutachtlichen Stimmen hevorragender, einsichtsvoller Schulmänner zu leisten,
weshalb wir im Nachfolgenden deren einige zusammenstellen.
1. Herbart.
Wenn Herbart auch keine vollständig ausgebaute Theorie der Schuleinrichtung
hinterlassen hat, so finden sich doch in seinen Schriften zahlreiche Stellen, die sich
gegen jegliche Schablonisierung des Erziehungswerkes und gegen die Kasernierung der
Jugend richten. Jedes Niederdrücken des Familiengeistes in Sachen der Erziehung
bezeichnet er als höchst tadelnswert, und er redet einem geschlossenen Zusammen
gehen von Haus und Schule das Wort. Mit großem Nachdruck iparnt er vor
der Auffassung, „als ob die Jugendbildung ein Geschäft wäre, das im Großen,
wie Fabriken durch Maschinenwerk, ohne Berücksichtigung der Individuen mit
Vorteil könnte betrieben werden." Und er fährt dann fort: „Hüten wir uns,
diese Ansicht zu begünstigen; sonst möchten wir zwar die Schwärmer für uns,
aber die erfahrenen Männer wider uns haben, besonders solche, deren sittliche
Begriffe zur gehörigen Läuterung gelangt sind."
An einer andern Stelle flnden wir folgenden Satz: „Die Bedenklichkeit,
ob man imstande sei, den Gehorsam zu sichern, wächst in schneller Progression
mit der Anzahl der Kinder, also besonders in größeren Erziehungsanstalten.
Die gewöhnliche Folge ist, daß man die Aufsicht so streng als möglich einzurichten
sucht. Allein dabei ist Gefahr, den gutwilligen Gehorsam vollends zu verlieren
und die Schlauheit zum Wettstreit zu reizen."
Derselbe Gedanke wird auch wie folgt ausgeführt: „Je größer eine Knaben
gesellschaft, um desto strenger niuß sie beherrscht und beargwohnt werden; aber
je mehr Ähnlichkeit mit despotischen Maßregeln, desto mehr verborgener Ingrimm
und desto mehr Neigung und Hoffnung, dereinst selbst despotisieren zu können."
2. Dörpfeld.
Unter den Schülern Herbarts hat sich bekanntlich am eingehendsten Dörpfeld
mit der Frage der zweckmäßigen Schuleinrichtung beschäftigt. Sein Gutachten
über die vier- und die achtklassige Schule, das alle in Betracht kommenden Um
stände gebührend beleuchtet, bildet die gediegenste Arbeit, die über diesen Gegen
stand bis jetzt veröffentlicht worden ist. Wir ziehen aus dieser Schrift, auf die
wir wiederholt aufmerksam machen, eine Stelle aus, die den städtischen Ver
waltungen vor Augen stellt, worauf es bei der Pflege des Schulwesens in erster
Linie ankommt. Dörpfeld schreibt:
„Was liegt bei diesen kombinierten Schulsystemen in Wahrheit vor?" Nichts
anders als eine in aller Nacktheit zur Schau gestellte verirrte Sparsamkeit/)
i) Vgl. dazu, wie zu dem Ganzen Dreyers ob. Aufsatz über große Schulsysteme S. 383.
Die Schrift!.

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