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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Verkehr und im öffentlichen Leben leider nur zu stark geltend. Die Herren
Bürgermeister überboten sich in unseren Städten nun gegenseitig mit großartigen
Schulbauten, die aller Welt zeigen sollten, welches Wohlwollen die Kommune
dem Schulwesen entgegenbringe. Wenn nur die Gehälter der Lehrer und die
innere Einrichtung damit übereinstimmte. So könnte man meinetwegen 32klassige
Schulen bauen (die mit einer Aula, einer Turnhalle auskommen müßten), wenn
dieselben in vier in sich geschlossene Teile mit vier eigenen Rektoren bezw. Haupt
lehrern , also gleichsam in vier Familien zerlegt wären. Aber diese unglückselige
Sparsamkeit am falschen Orte! Um Rektorengehälter zu sparen, greift man zu
den Massenanhäufungen von Schülern und Lehrern, deren verderbliche Folgen
Sie sa treffend und überzeugend nachgewiesen haben.
6. Just.
Direktor Or. Just in Altcnburg äußert sich über die vorliegende Frage
wie folgt:
„Die Schulorganisation, wie sie sich nötig macht überall, wo sich ein größeres
Schulwesen ausbildet, hat zwei Angelpunkte, um die sie sich dreht, oder zwei Prin
cipien, nach denen sie sich vollziehen muß. Das eine ist das Princip der Individuali
sierung, d. i. der Beachtung des einzelnen, das andere ist das Princip des
Zusammenfassens, der Konzentration.
Wo das erste, das Princip der Individualisierung, keine Beachtung findet,
da entstehen Schulkolosse von tausend und mehr Kindern, da stehen Lehrer und
Schüler, ja Lehrer und Lehrer an einer Stelle einander fremd gegenüber, da
wird die Schularbeit mechanisch und sinkt zuletzt herab zur Fabrikarbeit, bei der
im einzelnen wohl tüchtiges geleistet werden kann, bei welcher aber der sittliche
Geist, und das ist doch der alles belebende Odem an einer Schule, nach und
nach erstickt wird und zu Grunde geht. Nur in kleineren Schulorganismen ist
die Möglichkeit gegeben, daß die Lehrer einander nahe treten und sich zu gemein
schaftlicher Arbeit verbinden; in diesen liegt auch die Möglichkeit vor, daß die
Lehrer einer Schule sämtliche Kinder an einer Schule kennen lernen und Einfluß
gewinnen auf ihre Erziehung.
Aber auch das andere Princip, das Princip der Konzentration, muß Berück
sichtigung finden, zumal in einer Zeit wie der unseren, wo die Grundlehren der
Pädagogik ja wo die ganze Schularbeit sich in einer Umwandlung und Um
bildung befindet, und wo die Meinungen über das Wahre und Richtige auf dem
Gebiete der pädagogischen Theorie und Praxis unter den Schulmännern noch
weit auseinandergehen. Wäre dies nicht der Fall, fehlte es an Konzentration,
so wäre die Folge Zersplitterung und Zerstreuung, so würden sich widerstreitende
Kräfte bilden, die einander hemmen und stören, so würde die Schularbeit für
das Publikum die Durchsichtigkeit und damit das Vertrauen verlieren."
7. Leutz.
Ein ferneres Votum über die Schulkaserne stellte uns Seminardirektor
Leutz in Karlsruhe zur Verfügung. Dasselbe lautet:
„Nach meinen bisherigen Schulwahrnehmungen ist der Grund der Schulfabriken
vornehmlich in einer gewissen Eitelkeit, Großthuerei der städtischen Verwaltungen
zu suchen. Die Städte wollen prunken mit ihren Schulpalästen, man zeigt sie
den fremden Besuchern, diese staunen über die schönen Gebäude; was darin ge-

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