Kleine Chronik.
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trieben wird, wie die Klassen organisiert sind, das kümmert sie nicht. Mit
kleineren, einfachen Gebäuden kann man nicht nach außen imponieren. Mich
wundert immer, daß die Ärzte keine Einsprache erheben, die doch jede Kleinigkeit
in der Schulhygiene aufgreifen. Wenn etwa 30 oder 25 Klassen mit 1000
Schülern zusammengehäuft sind, so entsteht doch rings herum eine Schulatmosphäre,
die gewiß unter Umständen sehr schädlich sein kann. Bei allen epidemischen
Krankheiten, Keuchhusten, Masern rc. muß dann das ganze Haus geschlossen
werden, während man bei kleineren Schulhäusern nur das betreffende zu schließen
hat. Diese großen Schulsabriken begünstigen auch das Fachlehrersystem, über
haupt die Verwendung von Lehrern in verschiedenen Klassen; man kann bei
großen Schulsystemen die verschiedenen Konfessionen besser vereinigen, das sind
angebliche Vorteile, die aber eher Nachteile sind. Kalt, wie der ganze große
Steinpalast, so ist auch die Schularbeit darin; jeder ist nur ein Glied einer
großen Kette, die wenig Zusammenhang hat. Konferenzen mit 25—30 Lehrern
sind gewöhnlich nicht fruchtbar. Es fehlt solchen Schulen das herzliche Band,
das alle Glieder vereinigt, und wie bei solcher Fabrikarbeit eine Berufssreudigkeit
entstehen soll, das ist mir unbegreiflich. Nicht unbedeutend sind auch die Störungen
auf den Treppen, im Hofe, in den Aborten; denn die Lokalitäten sind doch
nicht dutzendweise vorhanden; da giebt es mit der Aussicht so viele Unannehmlich
keiten, wovon der Bauherr nichts weiß, die aber einem die Schule verleiden
können.
Doch solange noch auf den Bureaus, am grünen Tisch, pädagogische Rück
sichten unbekannt sind, so lange werden wir nichts ausrichten. Auf die Ärzte
hört man noch am meisten; doch diese schweigen über den Gegenstand, und die
Lehrer — na, die braucht man nicht zu fragen.
So steht's."
Hiermit schließen wir die Reihe der gutachtlichen Zeugnisse über die
Schulkaserne. Wir haben sie zusammengestellt, damit sie, zum Chore verstärkt,
um so lauter und eindringlicher ihre Stimmen erheben wider jenen verderblichen
Größenwahn. Es liegt uns nun noch ob, allen denen, die unserem Unternehmen
ihre Unterstützung geliehen, herzlichen Dank zu sagen für den Dienst, den sie der
Schule erwiesen haben. Möge ihr Zeugnis überall die Beachtung finden, die es
verdient; möge die, Einstimmigkeit ihres Urteils dazu beitragen, daß die Wahrheit
allenthalben ihre befreiende Wirkung äußert!
Elberfeld. Aug. Lomberg.
Zur Schulanfflcht.
Die Stöckersche Kirchenzeitung giebt in Nr. 10 eine summarische Bericht
erstattung über eine Pfarrvereinskonferenz zu Gießen am 20. Febr. dss. Jahres,
welche „das Recht der Kirche an die Schule" behandelte. Wir entnehmen ihr die
von dem Referenten Direktor Prof. Dr. Zimmer aufgestellten Thesen.
1. Das Recht der Kirche an die Schule ist das Korrelat der Pflicht der
Kirche, die Lämmer zu weiden.
2. Die Seelsorge an den Unmündigen übt die Kirche nicht durch die Geist
lichen, die zur Seelsorge der Erwachsenen berufen sind, sondern durch die Eltern
in der Familie, durch die Lehrer in der Schule. Der Seelsorger der Kinder
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