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I. Abteilung. Abhandlungen.
der Bibel ferner Stehenden ihr Studium mundgerechter gemacht werden sollte,
obwohl Dörpfeld ja derartige taktische Hilfsmittel, wie namentlich die Vorführung
einer alten Sache unter neuem Namen und Titel grundsätzlich nicht verschmähte.
Aber hier haben wir viel mehr. Was Dörpfeld fordert von Lehrern und Schülern,
hat er zuvor selbst geübt: Er hat an der heiligen Schrift original
sehen, denken gelernt und kann nun auch original von ihr zeu
gen (II, S. 22). Und so hat der Gedanke von den „Klassikern" seine grund
legende originale Bedeutung für den gesamten Religionsunterricht nach Dörpfelds
Plänen.
1. Begriff der religiösen Klassiker.
„Wenn jemand einmal die alten griechischen Klassiker empfahl als die echten
Kirchenväter des Geschmacks, so glaube ich mit noch mehr Recht die jüdischen
Kirchenväter als die b e w ährten Klassiker des heiligen Geistes
zu ernstlichem Studium empfehlen zu dürfen" (I, S. 11). Klassiker, d. h.
mustergültige Träger der Litteratur, üben auf den für geistige Schönheit auf
geschlossenen Sinn und Geschmack eine mächtige Anziehungskraft aus, sie machen
das Herz warm und schärfen das Auge zur Beobachtung geistigen Lebens und
innerer Bildung und bleiben ihrem Verehrer eine unversiegliche Quelle geistiger
Erfrischung, zu der er immer gern zurückkehrt. „Wie sollte nun einer, dem
einmal beim Lesen der Worte der Apostel und Propheten das Herz brannte,
nicht immer und immer wieder den Umgang mit diesen Menschen Gottes auf
suchen, um durch ihre Reden sich noch mehr erwärmen und erleuchten zu lassen?
— Gewiß, der Mann ist glücklich zu preisen, der wie Timotheus von Kind auf
ein fleißiger Schüler dieser von Gott eingesetzten Volkslehrer gewesen ist"
(I, S. 12). Mit dieser Begründung empfiehlt Dörpfeld die Bibel den Lehrern
zu fleißigem Gebrauch.
Darin liegt aber auch schon die entsprechende Ausgabe in Bezug auf den
Schüler: „Die Schüler sind zu einem intimen, fleißigen Umgang mit den
heiligen Schriftstellern zu veranlassen, zu einem Umgang, der intim genug ist,
um den Männern Gottes ins Herz zu schauen und dadurch auch im eigenen
und im Herzen Gottes lesen zu lernen" (II, S. 86). Dieser Umgang ist sehr
wohl zu vergleichen dem geistigen Verkehr, in den die leicht zu begeisternden
jungen Seelen mit den „profanen" Klassikern und den von ihnen lebensvoll vor
geführten Heldengestalten sich gerne einleben. Aber er soll den letzteren „an
Vertraulichkeit und Eindringlichkeit weit überragen" (II, S. 97).
Ein wohlmeinender Recensent hat Dörpfeld davor gewarnt, die Bezeichnung
-Klassiker^ für die Propheten und Apostel allzu häufig anzuwenden (II, S. 82).
Man versteht sehr wohl den Grund. Heutzutage werden vielleicht noch mehr Leute
verstimmt sein ob solchen Titels in der Besorgnis, das könne als Herabsetzung der
Bibel angesehen werden, als ob auf diese Weise die Männer Gottes mit den

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