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HI. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
gewesen wäre, als eine zweckmäßige Auswahl biblischer Geschichten für die Unterstufe
mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft ist. Um Mißverständnisse fernzuhalten, hätte in
dem grundlegenden Teile des Planes auch bemerkt werden müssen, daß der erbaulichen
Betrachtung jedesmal die unterrichtliche Klarstellung des Stoffes voran
gehen müsse, da ohne diese die Erbauung völlig in der Luft schwebe und ergebnislos
verlaufe. Was dann die Verteilung des religionsgeschichtlichen Stoffes auf die folgenden
Schuljahre anbetrifft, so waltet ein auffälliges Mißverhältnis insoweit ob, 'als dem
Alten Testament drei volle Schuljahre, das dritte, vierte und fünfte, zugewiesen
werden, während für das Leben Jesu nur das sechste Schuljahr bestimmt ist. Das
Leben Jesu, der Höhepunkt des religiösen Lebens, kommt dabei entschieden zu kurz.
Wir bezweifeln, daß es möglich ist, Leben und Lehre Jesu in einem Jahre in er
schöpfender Weise zu behandeln. Die Folge wird ein Übermaß des Stoffes sein,
das hier am allerwenigsten am Platze ist, und das sorgsam vermieden werden muß,
wenn die religiösen Gefühle und Strebungen sich voll entfalten und tief einwurzeln
sollen. Es erscheint daher dringend geboten, den Stoff aus dem Alten Testament so
zu beschränken und zusammenzudrängen, daß für das Leben Jesu auch noch das fünfte
Schuljahr frei wird. Man wende nicht ein, daß das frühere Auftreten des Lebens
Jesu eine Verfrühung bedeute; die schwierigeren Geschichten wird man dem sechsten
Schuljahre vorbehalten.
Als Stoff für den Gesinnungsunterricht treten neben der Heilsgeschichte profan
geschichtliche Lehrstücke auf. Für das erste Schuljahr sind die bekannten 12 Volks
märchen, für das zweite ist Robinson ausgewählt: mit dem vierten Schuljahre tritt die
deutsche Kulturgeschichte auf. Das dritte Schuljahr ist demnach ausgefallen, wodurch
in dem Plane eine Lücke entstanden ist. Sollte es für diesen Zeitabschnitt an passenden
Stoffen fehlen? Wir glauben nicht; hier müßten die heimatlichen Stammessagen
eingestellt werden.
Recht beachtenswerte Vorschläge macht der Plan für den naturkundlichen und den
geographischen Unterricht. Als entschieden zu weitgehend erscheinen uns aber die
geographischen Lehrziele für die beiden ersten Schuljahre. Auf dieser Stufe sollen nach
dem Plane auch schon solche Objekte behandelt werden, die völlig jenseit des kindlichen
Anschauungskreises liegen, wie z. B- München, Bremen, der Rhein, die Grundgestalt
von Bayern, Deutschland, Frankreich, Rußland, Spanien, England, die außereuropäischen
Erdteile. Demgegenüber halten wir dafür, daß als Ziel des ersten Unterrichts in der
Geographie immer gelten müsse, die Kinder vertraut zu machen mit den geo
graphischen Verhältnissen der Heimat, und daß der Blick des Schülers erst
dann über den heimatlichen Horizont hinaus zu erweitern sei, wenn an der unmittel
baren Anschauung sein Interesse für geographische Belehrungen lebendig geworden ist.
Es ist eine vielfach bezeugte Erfahrung, daß nur das innige Vertrautsein mit der Heimat
dem kindlichen Geiste die Lust und Kraft zum Auffluge in die Fremde gewährt.
Nach dem vorliegenden Plane soll die Sprachlehre lediglich im Dienste des
deutschen Aufsatzes stehen. Diese Forderung erscheint uns zu einseitig. Zwar
stimmen wir den Grundgedanken derselben, daß die Grammatik in der Volksschule
nicht um ihrer selbst willen zu lehren sei, sondern praktische Zwecke
verfolgen müsse, vollständig bei. Aber wir meinen, daß sie ihre Dienste in erster
Linie der fehlerhaften mündlichen Ausdrucksweise des Kindes leisten müsse, daß sie
also vor allem mithelfen solle, die Kinder richtig sprechen zu lehren. Die münd
liche Sprache des Kindes scheint uns der Korrektur am meisten bedürftig zu sein.
Zum Ausgangspunkte für die grammatischen Belehrungen nehmen wir darum die in
der Sprache des Kindes am häufigsten auftretenden Fehler, wobei das Material, das
die Aufsätze liefern, mit herangezogen wird. Dadurch ist uns eine freiere Bewegung
gestattet und die volle Möglichkeit gegeben, die Kinder von ihrem Standpunkt und Be
dürfnisse aus in der rechten Weise weiterzuführen.
Die Verfasser beklagen mit Recht, daß in den Würzburger Volksschulen den
wichtigsten Bildungsfächern, auf welchen alles geistige Leben, ja zuletzt auch
aller Fortschritt in Sprache und Rechnen beruhe, die dürftigste Zeit zugewiesen
werde, indes den letzteren Fächern ein Übermaß an Stundeneingeräumt worden sei.
Sie machen daher der Sache mehr entsprechende Gegenvorschläge. Wir glauben nun,
daß sie sich dabei nicht ganz frei von dem entgegengesetzten Fehler gehalten haben. Es
will uns nämlich doch recht fraglich erscheinen, ob bei nur zwei- bis dreiwöchent
lichen Rechenstunden die hohen Ziele, die dem Rechenunterricht gesteckt sind, erreicht werden

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