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I. Abteilung. Abhandlungen.
L.: Ganz nahe bei der Küste lag eine Insel; wer wohnte dort? Sch.: Aus
der Insel wohnte ein Riese. L.: Seine Waffen unterschieden sich nur in einer
Beziehung von denen der Ritter. Sch.: Er hatte auch ein Schwert und einen
Schild, aber beide waren sehr groß. L.: Er stand in demselben Ruf bei den
Rittern, wie einst der Riese Goliath bei den Israeliten. Sch.: Die Ritter
fürchteten ihn, denn er war sehr stark. L.: Auch war er bekannt als ein roher
und wilder Mensch. Nun hegte er schon lange den Wunsch, Gunilde in seinen
Besitz zu bringen; warum wohl? Sch.: Vielleicht war Gunilde schön, und er
wollte sie heiraten. L.: Konnte er denn nicht aus anderem Wege, als durch eine
Entführung, dieses Ziel erreichen? Sch.: Er konnte bei dem Könige um Gu-
nildens Hand anhalten. L.: Aber? Sch.: Er wußte im voraus, daß der Kö
nig einem so rohen und wilden Menschen die Hand der Tochter verweigern würde.
?.: Welchen Entschluß faßte er deshalb? Sch.: Er wollte die Königstochter
entführen. L.: Inwiefern war das aber nicht leicht? Sch.: Die Ritter be
wachten und beschützten Gunilde, und wenn auch jeder einzelne von ihnen schwächer
war, als der Riese, so waren sie ihm doch wohl gewachsen, wenn sie zusammen
hielten. L.: Da bot sich ihm eines Tages eine günstige Gelegenheit zur Aus
führung seines Vorhabens. Gunilde feierte ein Fest. Wen lud sie als junges
Mädchen dazu ein? Sch.: Ihre Freundinnen. L.: Am Strande lag eine Wiese;
hier gab sich die Jugend einem Vergnügen hin, das besonders die Mädchen zu
schätzen pflegen. Sch.: Auf der Wiese wurde getanzt. L.: Wer war wohl auch
dabei beteiligt? Sch.: Die Ritter. L.: Aber der blinde König? Sch.: Er
blieb zu Hause, denn er konnte ja doch nichts sehen. L.: Wer beobachtete nun
den Tanz? Sch.: Der Riese. L.: Erzähle weiter! Sch.: Er stieg in einen
Kahn und fuhr zum Strande hinüber. L.: Niemand bemerkte ihn; wie kam
das? Sch.: Alle waren so in das Spiel vertieft, daß sie gar nicht nach dem
Meere hinsahen. L.: Was that nun der Riese, um zunächst nicht bemerkt zu
werden? Sch.: Er versteckte sich hinter einem Gebüsch. L.: Und als Gunilde
in seine Nähe kam? Sch.: Da packte er sie, schleppte sie in seinen Kahn und
fuhr mit ihr nach der Insel hinüber. L.: Dort brachte er sie in eine Felsen
höhle. Aber daß die Ritter ihn nicht an der Ausführung gehindert haben?
Sch.: Vielleicht ging alles so schnell vor sich, daß sie zu spät kamen, vielleicht
auch fürchteten sie den Riesen zu sehr, oder es war kein Kahn in der Nähe.
L.: Fasse zusammen! Überschrift? Sch.: Die Tochter des blinden Kö
nigs wird von dem Riesen entführt.
L.: Alles lief nun zur Burg des Königs hin; fahre fort! Sch.: Man
erzählte dem Könige, was geschehen war. L.: Eindruck der Nachricht? Sch.:
Der König erschrak und wurde sehr traurig; denn nun fehlte ihm sein Liebling,
und er wußte auch, daß Gunilde in großer Angst schwebte und sehr unglücklich
war. L.: Kam nicht noch ein anderes Gefühl hinzu, wenn er an den Riesen

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