Die formalen Stufen in ihrer Anwendung auf poetische Lesestücke. 407
dachte? Sch.: Er war zornig über den frechen Räuber. L.: Was hätte er in
seinem Zorne wohl am liebsten gethan? Sch.: Am liebsten hätte er sich auf
gemacht und den Riesen erschlagen. L.: Aber? Sch.: Er war alt und blind,
da konnte er nicht mit dem Riesen kämpfen. L.; Wenn mit Gewalt nichts aus
zurichten ist, verlegt man sich wohl auf ein anderes Mittel. Sch.: Man verlegt
sich aufs Bitten. L.: So auch der König; wohin ließ er sich fübren? Sch.:
Er ließ sich an den Strand führen und bat den Riesen, er möchte ihm doch die
Tochter zurückgeben. L.: Der Riese hörte seine Worte und trat bewaffnet aus
seiner Felsenkluft hervor. Welcher rührende Anblick bot sich ihm dar-? Sch.:
Da stand der alte, blinde König, mit weißem Haar, auf einen Stab gestützt;
man konnte es seinem Gesichte ansehen, daß er traurig war. Hinter ihm standen
die Ritter. L.: Warum glaubst du nicht, daß die Bitte des Königs Erfolg
haben wird? Sch.: Der Riese war ein roher Mensch; wenn er Mitleid gefühlt
hätte, würde er Gunilde gar nicht entführt haben. L.: Er verhielt sich denn
auch ganz so, wie der Riese Goliath den Israeliten gegenüber. Sch.: Er ist
trotzig, verhöhnt den König und seine Ritter und fordert die letzteren zum Zwei
kampfe heraus. L.: Fasse zusammen! Überschrift? Sch.: Der Riese be
antwortet die Bitte des Königs mit einer Herausforderung
zum Zweikampfe.
L.: Was geht in den Herzen der Ritter vor, als sie die Herausforderung
des Riesen hören? Sch.: Sie fühlen Mitleid mit dem Könige und seiner Toch
ter, sind zornig über den Räuber, möchten Gunilde gern befreien, fürchten aber
zugleich die Kraft des Riesen. L.: Und die Furcht war stärker, als die anderen
Gefühle; folglich? Sch.: Keiner meldet sich zum Zweikampf. L.: Woran merkt
der König, daß es so ist? Sch.: Es bleibt alles stumm. L.: Was mag er
sagen? Sch.: Ist denn keiner unter Euch, der es wagt, mit dem Riesen zu
kämpfen? Wollt Ihr meine Tochter in den Händen des Räubers lassen?
Könnt Ihr meinen Schmerz mit ansehen? L.: Aber alles war vergeblich. Da
endlich meldete sich ein Kämpfer, an den seiner Jugend wegen niemand gedacht
hatte; wer mag das sein? Sch.: Der Königssohn! L.: Ja; sein Entschluß?
Sch.: Er wollte mit dem Riesen kämpfen. L.: Was trieb ihn dazu? Sch.:
Seine Liebe zum Vater und zur Schwester. L.: Warum ist er nicht sogleich
hervorgetreten? Sch.: Er glaubte, daß einer der älteren Helden seines Vaters
sich bereit erklären würde, den Kampf zu bestehen; dem wollte er den Vortritt
lassen. L.: Welche Eigenschaft zeigt sich darin? Sch.: Seine Bescheidenheit.
L.: Mit welcher Bitte wendet er sich an den Vater? Sch.: Erlaube mir, daß
ich hinüberfahre und mit dem Riesen kämpfe! L.: In dem Könige ivurden jetzt
gar gemischte Gefühle wach. Sch,: Er freute sich über den Mut und die Liebe
seines Sohnes, befürchtete aber auch, er möchte von dem Riesen erschlagen werden.
L.: Der Königssohn reichte seinem Vater die Hand, und dabei machte dieser
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eine

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