Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc. 41
Ist der Umstand, daß mehr als 11 000 Klassen von Lehrkräften besorgt
werden müssen, die schon eine Schulklasse zu versehen haben, an sich schon be
denklich, so kommt dazu noch, daß nur 2 244 313 Kinder in Klassen mit nor
malen Frequenzverhältnissen (70 Schüler in mehrklassigen, 80 Sch. in einkl.
Schulen) saßen und unverkürzten Unterricht (22 —30 Unterrichtsstunden wöchentlich
je nach der Schulstufe) empfingen. Bei etwa einer Million von Schulkindern
war durch Verkürzung der Unterrichtszeit eine Überfüllung der Klassen vermieden,
indem man Halbtags- Zweidrittel- Dreiviertelschulen einrichtete. Auch hier läßt
sich die genaue Schülerzahl nicht feststellen. Es saßen nämlich in Halbtagsschulen
mit normaler Frequenz
465 761 Kinder,
in dreikl. Schulen mit 2 Lehrern 401 370 „
zusammen 866131 Kinder.
An mehrklassigen Schulen waren 1857 Klassen mehr als Lehrer vorhanden.
1020 Stellen waren unbesetzt. Nimmt man in diesen 2877 Klassen als durch
schnittliche Schülerzahl 50 Kinder an, so enthielten dieselben 143 850 Schüler, so
daß die oben angegebene Zahl von rund einer Million sicher nicht zu hoch ge
griffen ist. Doch auch wenn man die unbedingte Zahl von 867 131 Kindern
allein festhält und von mehrklassigen Schulen und unbesetzten Stellen absieht, so
bleibt dieselbe noch schwerwiegend genug, wenn man bedenkt, daß z. B. eine
Halbtagsschule erst dann für überfüllt angesehen wird, wenn eine der beiden Klassen
mehr als 70 Schüler hat. Ein Lehrer solcher Schulen kann also bis zu 140
Schüler unterrichten, ohne daß man seine Schule für überfüllt
erachtet. In Schulklassen, die selbst mit solchem Maßstabe gemessen für über
füllt gelten mußten, saßen nicht weniger als 1 661 182 Schüler nämlich in
2906 einkl. Schulen 279 819 Schüler
1075 Halbtagsschulen 102 474 „ (1265 Kl. überfüllt.)
1347 zweikl Schulen 141 091 ,. (1730 „ „ )
1133 dreikl.Sch.m.2L. 125819 „ (1567 „ ,. )
5311 mehrkl. Sch. 1011 979 „ (12 361 „ „ )
Was für entsetzliche Zustände sich dabei bisweilen Herausstellen, beweist das
Verzeichnis der nachstehenden Klassen, in denen die Überfüllung am größten war.
Es zählte nämlich eine einklassige ungeteilte Schule des Kreises Niederung, desgl.
eine des Kreises Hildesheim 156 Schüler, im Kreise Krossen war eine solche mit
158 Schülern in Johannisburg und Zeitz mit je 160, in Westhavelland mit
162, in Kosel mit 168, in Glogau mit 169, in Bromberg mit 171, in Stein-
furt mit 173, und endlich im Kreise Schildburg eine mit 204 Schülern. Mit
der letztgenannten Zahl ist aber nur das Maximum der Schülerzahl erreicht, die
ein Lehrer in einer Klasse zu unterrichten hatte, weil eine Teilung in zwei Klassen
etwa des Schulweges halber oder aus andern Gründen unthunlich war. In

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