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I. Abteilung. Abhandlungen.
ermöglicht erst ein Eindringen in die Schönheit dichterischer Darstellung. Aus
logische Korrektheit der Definitionen können wir meistens verzichten. Über das
Unterrichtsverfahren giebt die vorstehende Präparation Aufschluß.
Methode. Der allgemeine Satz, der als System gewonnen wurde, wird
nun auf andere Gedichte angewendet. Man steigt jetzt vom Allgemeinen zum
Besonderen herab, sucht konkrete Erscheinungen auf, die sich dem Begriffe unter
ordnen lassen, sichert dadurch die Verwendbarkeit des Gelernten und findet dabei
zuweilen auch Gelegenheit zur Ableitung neuer Begriffe.
Aus der Welt des Traumes.
Von W. Fick in Elberfeld.
(Schluß.)
IV.
Wir kommen nun zur Frage nach der Entstehung der Träume.
Es ist eine allbekannte Thatsache, daß eine Sinneswahrnehmung gar oft in
sehr verschiedener Weise gedeutet wird. Denken wir uns, mehrere Personen sitzen
in später Abendstunde in traulichem Gespräche zusammen. Da entsteht plötzlich
im Nebenzimmer ein Geräusch. Man kann getrost zehn gegen eins wetten, daß
jede Person etwas anderes gehört zu haben glaubt und demgemäß auch auf einen
andern Grund schließt. Der Furchtsame denkt an Diebe und Einbrecher, wohl
gar an Gespenster. Ein andrer führt das Geräusch auf einen Windstoß zurück,
ein dritter auf eine Katze, ein vierter vermutet, daß ein Gegenstand von der Wand
gefallen sei u. s. w. Der Grund dieser verschiedenen Deutung des Geräusches
liegt offenbar in der unbestimmten Wahrnehmung; man hat nicht genau gehört,
weil die Gedanken auf andere Dinge gerichtet waren; zudem kann ja auch der
selbe oder wenigstens ein ähnliches Geräusch durch verschiedene Ursachen herbei
geführt werden, und je nach seiner Geistesverfassung und Geniütslage wird der
eine oder andere auf diesen oder jenen Grund schließen. Wenn aber so im wachen Zu
stande Sinnestäuschungen gar nicht selten sind; wie viel mehr müssen dergleichen
im Schlafe vorkommen, wo jede Möglichkeit fehlt, durch nähere Prüfung die
wahre Ursache zu ermitteln. Das Auge ist geschlossen und sieht nicht; das Ohr
steht den Tönen von außen offen, aber das von innen kommende Streben, jene
aufzufassen, fehlt, und so wird die Wahrnehmung unsicher; das Gehörte wird mit
ähnlichen Lauten und Tönen verwechselt und ganz anders gedeutet. Dasselbe gilt
von Empfindungen der andern Sinne. In der That wird ein großer Teil unsrer
Träume durch Sinnesreize veranlaßt. Die Seele empfindet den Reiz, aber sie
deutet ihn falsch und bringt ihn in Beziehungen, die durch den wirklichen Fall
nicht gegeben sind. Alte verwandte Vorstellungen werden in der Seele wachgerufen
und zum Traumbilde verwebt.

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