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Aus der Welt des Traumes.
hinein, die mit der gesuchten Vorstellung in gar keiner Beziehung standen. Sobald
nun der Wille abspringt, lösen sich die gleichsam festgekeilten Gedanken; aber die
Tendenz des Suchens, wenn der Ausdruck erlaubt ist, steckt noch in ihnen. Sie
können sich jetzt freier ergehen, und in ihren Verbindungen dem Zuge der natürlichen
Verwandtschaft folgend, treffen sie auch auf das gesuchte Wort, das uns schon
dunkel vorschwebte, und heben es aus dem Meere der Vergessenheit an die Ober
fläche empor. Es ist ganz dieselbe Erscheinung wie im Traume, nur daß hier die
Phantasie andere gleichzeitig erneuerte Vorstellungen zum sinnenfrischen Bilde verwebt.
Allgemein bekannt ist, wie oft die Beschäftigungen des Tageslebens in unser
Traumleben Hineinspielen. Oft wiederholt sich im Traume unter mannigfacher
Änderung, was wir am Tage getrieben haben, mitunter spinnen wir auch die
Gedanken weiter, die durch den Eintritt des Schlafes abgebrochen wurden. Das
führt zuweilen zu ganz eigentümlichen Erscheinungen. Es kann vorkommen, daß
wir eine Aufgabe, deren Lösung uns am Tage beim besten Willen nicht gelingen
wollte, im Traume zustande bringen. Raffael soll die Sixtinische Madonna,
mit der er sich schon lange in Gedanken beschäftigt hatte, in ihrer Vollendung
im Traume geschaut und danach sein Bild gemalt haben. Franklin sah bisweilen
im Traume den weiteren Verlauf eines schwierigen Tagewerkes voraus. Prof.
Wähner in Göttingen erzählt, wie er als Gymnasiast einst die Aufgabe bekommen
habe, einen bestimmten Gedanken in zwei griechischen Versen auszudrücken. Ver
gebens quälte er sich mehrere Tage damit ab. Da wacht er plötzlich in der
Nacht auf; er hat die Verse im Traume gefunden. Er klingelt seiner Wärterin,
läßt sich Tinte, Feder und Papier ans Bett bringen und schreibt die zwei Verse
nieder. Als er am Morgen erwacht, hat er alles vergessen, findet aber zu
seinem Erstaunen die beiden wohlgelungenen Verse von seiner eigenen Hand ge
schrieben auf seinem Tische vor. Erst von seiner Wärterin erfuhr er, was in
der Nacht geschehen war. — Der berühmte Komponist und Geigenspieler Tartini —
so wird berichtet — hatte sich eines Abends vergeblich an einem längeren Satze
einer neuen Sonate abgemüht. Voll Unmut darüber ging er zu Bette. Während
seines Schlafs tritt der Teufel ins Zimmer, ergreift die auf dem Tische liegende
Geige und spielt in korrekter Tonfolge mehrmals den ganzen Satz vor, an dem
die Kunst des Komponisten gescheitert war. Höhnend ruft er ihm zu, ob er auch
so schön spielen könne. Tartini erwacht; das Gehörte steht noch lebhaft vor
seinem Geiste; er springt auf, nimmt die Geige, spielt nach, und schreibt nieder.
So entstand die Teufelssonate, eins der besten Werke des berühmten Meisters.
Weisen solche Thatsachen, deren hier noch eine große Zahl angeführt werden
könnte, nicht auf eine Steigerung unsrer Geistesthätigkeit im Schlafe hin? Ist
es nicht, als ob eine höhere Macht im Traume sich zu uns herablasse und als
reife Frucht uns in den Schoß lege, was die mühsame Arbeit des Tages vergeblich
zu erringen gesucht hat?

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