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I. Abteilung. Abhandlungen.
sein lebhaft vor seinem Geiste gestanden. Er kannte die Gefahren, die ihn bei seinen
Gletscherfahrten bedrohten, und jetzt, wo er eine neue Reise unternehmen wollte, standen
sie in voller Lebhaftigkeit wieder vor seinem Geiste. Ganz natürlich, wenn er
nun auch davon träumte. Vielleicht ist ein äußerer Umstand dabei noch mitwirkend
gewesen. Man denke sich, daß die Bettdecke während des Schlafes sich verschob.
Der teilweise entblößte Körper erkaltete, und das Gefühl der Kälte rief die dem
Schlafenden schon längst geläufige Vorstellung des eisigen Grabes in der Gletscher
spalte wach. — Daß Calpurnia von dem Tode ihres Mannes träumt, wird
niemand befremden. Sie kennt den Ehrgeiz Cäsars; sie weiß, daß er nach der
Königskrone trachtet; sie weiß, wie seine Feinde geschäftig sind; nun steht der
Tag bevor, der ihn an das Ziel seiner Wünsche bringen soll; sie bangt, sie fürchtet
für ihren Gemahl, und diese Furcht erzeugt den Traum.
Auf gleiche Weise läßt sich wohl die Mehrzahl der prophetischen Träume
erklären. Am häufigsten sind wohl die Träume, die uns den Tod eines lieben
Angehörigen voraussagen. Gewöhnlich stellen sie dann sich ein, wenn der Betreffende
schon erkrankt ist. Die Befürchtungen, die wir am Tage vielleicht gewaltsam
zurückdrängen, machen sich im Traume mit verstärkter Gewalt geltend und lassen
verwirklicht erscheinen, was wir wachend zu denken nicht wagten. Stirbt nun der
Kranke, so hat sich der Traum erfüllt, stirbt er nicht, so wird der Traum ver
gessen. Es ist wie mit den Wetterprophezeiungen des hundertjährigen Kalenders.
Die wenigen Voraussagungen, die zufällig eintreffen, werden gemerkt, und darauf
stützt man seinen Glauben daran, die übrigen beachtet man nicht. Wenn ich einem
Bekannten, der in der Lotterie spielt, sage: Bei der nächsten Ziehung wirst du
den Gewinn davontragen — und meine Voraussage erfüllt sich, so bin ich darum
noch kein Prophet.
Es bleibt uns nun noch die allerdings verhältnismäßig geringe Zahl von
Träumen übrig, an denen alle menschliche Erklärungskunst scheitert, Träume, die
zukünftige Ereignisse oder Vorgänge, die in weiter Entfernung sich abwickeln,
entweder in symbolischer Verkleidung oder in getreuer Wiedergabe aller Einzel
heiten des wirklichen Geschehens als gegenwärtig abspiegeln. Das Vorkommen
solcher Träume ist durch eine Reihe gut beglaubigter Thatsachen erhärtet. Aber
es ist übereilt, wenn man daraus, wie es oft geschieht, den Schluß zieht, das Traum
leben der Seele stehe höher als das Wachleben, der Geist entfalte darin seine
Schwingen zu freierem Fluge und nehme an einer höheren Ordnung der Dinge
teil. Rein! Das selbstbewußte, vom Verstand und dem selbstbestimmungsfähigen
Wollen geleitete Leben ist das eigentliche Leben, in ihm allein zeigt sich der Mensch
als gottähnliches Wesen. Das Traumleben steht in jeder Beziehung niedriger;
es ist dem Affen gleich, der scheinbar mit Sinn und Verstand, in Wirklichkeit
aber mechanisch alles nachahmt, hin und wieder auch wohl zufällig einmal sein
Vorbild an Geschicklichkeit übertrifft. Vorgänge aber, wie die erwähnten, Träume

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