Eindrücke vom 9. Deutschen evangelischen Schulkongreß.
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von wirklich prophetischer Bedeutung, sind Ausnahmen, auf die man keine Regel
bauen soll. Auch im Tagesleben der Seele ereignet sich manches, und vielleicht
mehr als in den Träumen, vor dem der menschliche Verstand halt machen muß.
Wir brauchen nur hinzuweisen auf die allerdings noch wenig erforschten Gebiete
der Ahnungen und des Hellsehens. Es giebt eben, um mit Shakespeare zu reden,
mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsre Schulweisheit sich träumen
läßt. Viele Menschen setzen sich über dergleichen Dinge hinweg mit der wohlfeilen
Phrase: So etwas giebts nicht, so etwas ist unmöglich. Aber damit schaffen sie
die Thatsachen ebensowenig aus der Welt, wie der Vogel Strauß seine Verfolger,
wenn er den Kopf in den Sand steckt. Wenn aber im selbstbewußten Seelenleben
unter Umständen Vorgänge sich abwickeln, die nach den bekannten psychologischen
Gesetzen, bis jetzt wenigstens, sich nicht erklären lassen, so können sie auch im
Traumleben vorkommen; aber ihr Vorkommen beweist nicht, daß das Traum
leben höher steht, als das Tagesleben.
Von diesem Gesichtspunkte aus sind denn auch die bedeutungsvollen Träume
zu betrachten, von denen uns die Bibel berichtet. Nach dem Zeugnisse der
Heiligen Schrift selbst sind sie Mittel, durch die Gott sich zuweilen offenbart.
Damit ist nicht gesagt, daß sie nicht auch ihre menschliche Seite an sich haben,
wie ja auch die Prophetie und die Wunder obgleich übernatürlich, den Stempel
der Persönlichkeiten an sich tragen, durch die sie in Wirksamkeit treten. Eben
aber, weil sie übernatürliche Erscheinungen sind, kann sich die Seelenkunde, die es
nur mit den natürlichen Vorgängen des Seelenlebens zu thun hat, nicht weiter
mit ihnen befassen.
Im allgemeinen aber gilt von den Träumen, was schon Jesus Sirach sagt:
„Narren verlassen sich auf Träume. Wer auf Träume hält, der greift nach dem
Schatten und will den Wind haschen. Träume sind nichts anders, denn Bilder
ohne Wesen; Träume betrügen viele Leute." Und in Übereinstimmung damit
bezeichnet unser Sprichwort die Träume mit Recht kurzweg als Schäume.
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Eindrücke vom 9. Deutschen evangelischen Schulkongreß.
Ausführliche Berichte über den Potsdamer Schulkongreß sind zur Genüge
in den Zeitungen zu lesen gewesen. Es sollen hier nur einige persönliche Ein
drücke als Nachlese mitgeteilt werden ; denn das Ev. Schulblatt darf an dem Ev.
Schulkongreß, dem es so nahe steht, nicht stillschweigend vorübergehen, und am
wenigsten an dem letzten, in mehrfacher Beziehung besonders bedeutsam und
glücklich verlaufenen.

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