434 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Schreiber dieses hat zum erstenmal dem Ev. Schulkongreß beigewohnt und
kann daher leider keine Vergleiche mit den früheren anstellen, die gewiß zu mancherlei
lehrreichen Betrachtungen Anlaß geben könnten. Vielleicht werden manche Be
sucher früherer Kongresse gefunden haben, daß die geistige Höhenlage des letzten,
wenigstens was die Diskussion anging, hinter seinen Vorgängern in etwa
zurückblieb; ich gestehe wenigstens, in dieser Hinsicht mit etwas größeren Er
wartungen nach Potsdam gekommen zu sein. Es wurde aber auch grade nach dem
Vortrag — dem des Seminardirektor Voigt-Barby — der ganz dazu angethan war,
eine recht lebhafte und möglicherweise bedeutendere Debatte herbeizuführen, durch
den Vorstand einer solchen vorgebeugt. Gewiß im Interesse des harmonischen
Verlaufs des Kongresses; — der Vorstand wollte „Kongresse pflegen, nicht
„Disgresse" — und dank dieser sehr geschickten Leitung war es möglich, recht
heikle Fragen anzuschneiden, ohne daß die doch auch im Ev. Schulkongreß latenten
Meinungsverschiedenheiten und Principiengegensätze in irgendwie unangenehmer
Weise aufeinander geplatzt wären. So ist das für mich der bedeutsamste Ein
druck von diesem Kongreß gewesen, daß es bei unserer Parteizerklüftung doch noch
thunlich ist, auch recht streitige Sachen und Gedanken mit Erfolg einer größeren
Versammlung näher zu bringen; mit Erfolg, sage ich, also einerseits mit der
nötigen Klarheit und Bestimmtheit — nicht mit jenen verwaschenen Allgemein
plätzen, denen schließlich jeder zustimmen kann, und doch mit Vermeidung eines
hitzigen Meinungskampses, bei dem nie was Vernünftiges herauskommt. Und in
dieser Hinsicht dürfte der diesmalige Kongreß den früheren um nichts nachstehen;
im Gegenteil.
Zu diesem glücklichen Erfolge trug neben der umsichtigen Leitung wohl vor
züglich die besonnene, gewinnende Art und Weise bei, mit der unser Freund,
Rektor Hin brichs, seine Aufgabe löste und den „Herren des Ostens" einige
Leitgedanken aus Dörpselds Vermächtnis nahe rückte. Dieser letzte Vortrag
über die Regelung der Lehrerlaufbahn*) wurde durch die Aufnahme,
3 Die dem Vortrage zu Grunde liegenden Thesen lauteten:
i- Im Interesse einer gesunden Entwickelung der Volksschule und des Lehrerstandes ist
die Regelung der Lehrerlaufbahn notwendig.
2. Wir halten die Einrichtung folgender Rangstufen für zweckmäßig:
L Hilfslehrer. (Bedingung: 1. Lehrerprüfung.)
2. Ordentliche Lehrer. (Bedingung: 2. Lehrerprüfung.)
3. Lehrer an einklassigen Schulen.
4. Erste Lehrer oder Konrektoren.
5. Hauptlehrer oder Rektoren. (Bedingung: Rektorprüfung.)
3. Wer in eine höhere Stufe einrücken will, muß in jeder der vorhergehenden Stufen
eine Zeit lang — mindestens drei Jahre — gedient haben. Wo die Verhältnisse es
erfordern, können die 3. und 4. Stufe als einander nebengeordnet und damit auch
als gleichwertig angesehen werden.
4. Die Besetzung der Stellen auf den einzelnen Stufen geschieht nicht durch Einrücken
nach dem Dienstalter, sondern durch freie Wahl, wobei besonders die Treue und
Tüchtigkeit in Betracht kommen. Bei der Bewerbung steht den Landlehrern dasselbe
Recht zu wie den Lehrern in der Stadt.
5. Jede Rangstufe hat ein bestimmtes Grundgehalt. Innerhalb jeder Stufe muß eine
angemessene Steigerung des Gehaltes nach dem Dienstalter stattfinden.
6. Eine Vermehrung der Klassen eines Systems über acht hinaus halten wir mit den
Interessen der Schule und des Lehrerstandes für unvereinbar.
7. Jede Schule habe in der Person des Hauptlehrers oder Rektors ihren eigenen tech
nischen Leiter; die kumulierten Rektorate halten wir für schädlich.

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