Eindrücke vom 9. Deutschen evangelischen Schulkongreß. 435
die er fand, geradezu zu einem Triumph für die Sache Dörpfelds und für die
Freunde des Schulblatts. Gewiß sprach in der Debatte einer der Redner vielen
Zuhörern, vielleicht den meisten anwesenden Volksschullehrern aus dem Herzen,
wenn er erklärt, dieser Vortrag sei das Beste gewesen, was ihm der diesmalige
Kongreß geboten. und der treffliche Redakteur Schrempf aus Stuttgart hatte
recht, als er in der Schlußansprache darauf hinwies, wie die Lehrer dieser Be
handlung ihrer Standesfragen mit gespanntestem Interesse und leuchtendem Auge
in lautloser Stille gelauscht hätten; und grade an dem lebhaften Widerspruch,
den die Einwendungen des Herrn Regierungs- und Schulrates Böckler fanden,
merkte man am deutlichsten, wie sehr sich Hindrichs den Beifall und die Gunst
der Lehrer erworben. Die Debatte über die fachmännische Einsicht der geistlichen
Schulinspektoren war allerdings etwas vom Zaune gebrochen und hätte zu Miß
klängen führen können, aber auch da wußte der Ehrenvorsitzende, Provinzialschul
rat Leimbach, und namentlich Pastor Dr. Harnisch durch versöhnliche Worte die
Sache wieder in friedliches Geleise zu bringen. Der letztere traf durchaus die
Meinung des Referenten und wohl der großen Mehrzahl der Versammlung, wenn
er feststellte, daß man hier nicht die Theologen von dem Schuldienst und der
Schulleitung fern gehalten wissen wollte, sondern nur die nicht fachmännisch
gebildeten Theologen. „Wenn wir etwas leisten und der Schule dienen wollen,
nehmen Sie uns Theologen doch auch noch auf." Und schließlich stimmte die
ganze Versammlung, Herr Böckler nicht ausgenommen, der Resolution bei, daß
der Kongreß die Notwendigkeit der Regelung der Lehrerlausbahn anerkenne und
sich im wesentlichen mit den Vorschlägen des Referenten einverstanden
erkläre. Mehr kann man doch nicht verlangen. Ein tüchtiger Anstoß ist jeden
falls gegeben worden und wenn der Herr Vertreter des Kultusministers gleich zu
Anfang erklärt hatte, daß die Staatsregierung für ihre Aufgaben in der Regelung
der Volkserziehung und Schulverwaltung vom Kongresse reiche Anregung erwarten
dürfe, so ist gewiß zu hoffen, daß grade diese konkreten, wohl begründeten und
durchführbaren Vorschläge von der Regierung näher geprüft und vermöge ihres
Gerechtigkeitssinnes und Wohlwollens der Ausführung provinzweise näher gerückt
werden. Schon daß der Herr Vertreter der Regierung so warm sich der Land
schullehrer oder Lehrer an einklassigen Schulen annahm und in dieser Hinsicht dem
Vortrage durchaus beipflichtete, berührte bei seinem sonst nicht immer ganz glück
lichen Auftreten recht sympathisch.
Wenn nun dieses Thema mit seinen Ausführungen und Vorschlägen von
vornherein auf das ungeteilte Interesse und den Beifall der großen Mehrzahl
rechnen konnte, so war es mir noch bedeutsamer, daß ein Vortrag wie der des
Seminardirektor Voigt-Barby dieser Versammlung geboten werden konnte
und — lebhaften Beifall fand. Das Thema „Bedeutung des christlichen
Religionsunterrichts für die Charakterbildung" gehört ja gewisser
maßen zu dem eisernen Bestand der Programme Evangelischer Lehrerkonferenzen,
und mancher Gegner würde wohl achselzuckend daran vorübergegangen sein: man
wisse doch wohl zur Genüge, was diese Leute über solch ein abgenagtes Thema
8. An vier- und mehrklassigen Schulen muß die Zahl der Stellen für Hilfslehrer,
ordentliche Lehrer und Konrektoren möglichst gleich sein.
9. Bei solcher Regelung der Lehrerlaufbahn waltet Gerechtigkeit im Schuldienste: die
Zufriedenheit im Stande wird vermehrt und das Streben nach Vervollkommnung
in beruflicher und sittlicher Hinsicht gefördert.

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