438 11. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens K.
wachsen war. Möge nun der warme und andringende Appell des Schwaben
Schrempf an den socialen Sinn der Lehrerschaft rechtes Gehör finden; er wies
nämlich darauf hin, daß die Lehrer, die hier der Behandlung ihrer eigenen
Standesinteresfen ein so intensives Interesse entgegengebracht hätten, nun auch den
Bemühungen der unten ringenden Brüder um ihre Standesinteressen Gehör und
helfende Hand zu leihen verpflichtet wären —; mögen wir uns rüsten, nächstes
Jahr, wenn der Evangelisch-sociale Kongreß, wie wir hören, die Schule und
Lehrerschaft in seine Interessen hineinzuziehen resp. sein Interesse an diesen Volks
mächten klarzulegen beginnen wird, in Stuttgart auf dem Platze zu sein und unsern
Mann zu stehen'/) wollen wir aber endlich vor allem aus die Mahnung des ehr
würdigen Wiese horchen, daß wir bei allem zerstreuenden Treiben und Mühen
um die Standes- und die großen Volksfragen in erster Linie darauf sehen, wie
wir uns selbst und das Volk wieder zur rechten inneren Sammlung führen und
der schweren Gefahr der „geistigen Heimatlosigkeit" entgegenarbeiten.
R—n.
Herbstkonferenz des evangelischen Lehrervereins für
Minden-Ravensberg zu Bielefeld.
(Über „allgemeine Bildung" und „Schulbibel".)
Durch zwei interessante Themata war die am 7. u. 8. Oktbr. in Bielefeld
abgehaltene Konferenz des Minden-Ravensberger Ev. Lehrervereins bemerkenswert.
Lehrer v. Hoff veranlaßte eine angeregte Diskussion über den Begriff der all
gemeinen Bildung und Rektor Hark-Gütersloh führte schweres Geschütz
gegen die Schul bib el auf.
Herr v. Hoff sprach über das Wort Herbarts: Das Entscheidende
der Erziehung liegt durchaus nicht in dem Anstrich, den man
allgemeine Bildung nennt, sondern in dem, was dem Menschen
als großes und fernes Ziel erscheint. Er geißelte da die sogenannte
allgemeine Bildung, wie sie in der Presse, der Tageslitteratur und Kunst und
dem Durchschnitt der Gebildeten sich breit macht, recht scharf und geistreich; wies
die Zersetzung und die Widersprüche dieses Bildungsanstrichs ohne tieferen religiösen
Gehalt sachkundig auf, zeigte dabei besonders auf die jammervolle geistige Hohl
heit und Armut solcher „führenden" Kreise hin, die zwar „die Religion dem Volke
noch erhalten" wissen wollen, sie aber für sich selbst durchaus nicht mehr zu be
nötigen glauben, wie sogar ein bekannter konservativer Herr, nach seinem religiösen
Bekenntnis gefragt, nach längerem Besinnen erwidert haben soll, er habe sich auch
„so eine Wald- und Wiesenreligion zurechtgemacht" (vgl. übrigens auch unsern
Moltke!); oder wenn andere selbstgenügsam erklären: Wir sind Atheisten, aber
doch gut religiös! Dem gegenüber legte nun Referent dar, daß die Ausgabe
und das große und ferne Ziel der Erziehung, der Geschichte der Erziehung und
den Bedürfnissen der menschlichen Natur entsprechend, in der Hebung der gesamten
geistigen Thätigkeit, in der Ausbildung der Persönlichkeit mit Jesus Christus als
dem einzig wahren Inhalt zu suchen sei.
Diese Ausführungen berührten sich vielfach mit dem grade zuvor in Pots-
i) Vorschläge in dieser Richtung wären der Schriftleitung sehr erwünscht.

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