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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
nicht kannte und sich für den praktischen Gebrauch wohl mehr auf das Lesen der
„fettgedruckten Stellen" beschränkte. Je mehr aber unser Unterricht dazu über
geht, den Schülern nichts darzubieten, ohne es ihnen auch irgendwie erklären,
psychologisch vermitteln zu wollen, um so weniger darf man darauf rechnen, daß
die Jugend über viele Dinge in der Schrift mit „Kindeseinfalt" hinweglese.
Vielmehr könne man grade den früheren Branch, die Bibel schon in einem Alter
zu brauchen, wo das bei weitem meiste nicht annähernd verstanden werden kann,
und wo über viele Abschnitte möglichst gedankenlos hinweggelesen werden muß
— soll die junge Seele nicht Anstoß und Schaden nehmen — diesen gedanken
losen Gebrauch der Bibel könne man wohl für die Gleichgültigkeit mit verant
wortlich machen, in die das Buch der Bücher bei weiten Volkskreisen schon ge
raten ist; darin müsse man wohl Hofprediger Stöcker recht geben. Kurz, grade
um der Heiligkeit der Bibel willen sei die Frage ernstlichst zu erwägen, ob sie
fernerhin als Schulbuch zu behandeln sei.
Andrerseits wurde aber auch durchaus anerkannt, daß die Herstellung einer
Schulbibel etwas sehr Mißliches hat und schwerlich ohne dogmatische Voraus
setzungen durchzuführen ist. Möglicherweise wäre das die einfachste Lösung, daß
nian das Neue Testament, das ja thatsächlich ganz unbedenklich getrennt vom
Alten gedruckt und gebraucht wird, allein den Schülern mitgiebt und alle päda
gogisch wertvollen Abschnitte des Alten Testaments, deren wir natürlich niemals
entraten können, zu einem mit ausgewählten Psalmen und prophetischen Stücken
erweiterten Historienbuche zusammenfassen. Und schließlich sei es auch kaum zu
fordern, daß die Sache generell geregelt werde; wo ein wirklich gesegneter Ge
brauch der Vollbibel in Familie und Schule sich nachweisen lasse, wie noch in
manchen Landbezirken, brauche er auch nicht beseitigt zu werden?) R—n.
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Zur Litteratur des naturkundlichen Unterrichts.
Von H. Otto.
Seitdem der naturkundliche Unterricht durch die Allgemeinen Bestimmungen vom
15. Oftober 1872 das anlehnende Verfahren verlasien hat und in allen Volksschulen
selbständiger Unterrichtsgegenstand geworden ist, hat die Methodik dieses Lehrzweiges
einen erfreulichen Aufschwung genommen. Zunächst schlossen sich die Schulmänner an
das Verfahren Lübens an. Dabei wurden aber die Fehler mitgemacht, welche durch
Lübens Bestrebungen hervorgerufen wurden. Man legte das Hauptgewicht auf das
System. Lüben verdient für immer einen Ehrenplatz in der Geschichte der Methodik,
besonders in der des naturkundlichen Unterrichts. Kein einsichtsvoller Pädagoge wird
') Wir erhalten noch folgende Notiz: Zur Schulbibelfrage. In einer Bespre
chung zweier Schriftchen, die obige Frage behandeln, spricht sich Prof. M. v. Na thu-
sius in Greifswald für die Schulbibel aus, und zwar ist er der Meinung, „daß man
nicht nur für die Schule, sondern auch für die Gemeinden überhaupt einen Bibel
auszug zu geben habe. Ich stimme dem Gen.-Sup. Baur zu, der am 24. Mai in Düssel
dorf die Besorgniste wegen der sittlichen Verunreinigung durch gewisse Bibelstellen mit
feiner Ironie und großem Ernste auf ihr richtiges Maß zurückführte. Aber wir haben
uns überhaupt auf den Standpunkt zu stellen, daß manche Teile der
hl. Schrift nicht für die Erbauung der Gemeinde, sondern nur für die
kirchliche Wissenschaft ihre Bedeutung haben." Ph.

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