III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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seine Verdienste schmälern wollen, wenn auch seine Systematik in vielen Schulen keinen
Segen gestiftet hat. Er hat zwar selber gefordert, daß in der gewöhnlichen Volksschule
auf das System kein Wert gelegt werden solle. Er sagt in seinem „Lehrplan für
die Landschulen des Bremer Gebiets": „In der gewöhnlichen Volksschule ist
auf die Kenntnis naturhistorischer Systeme kein Wert zu legen." Aber man saß noch
zu fest in den Angeln des Linneschen Systems und in denen der natürlichen Systeme.
Das beweist Lüben selber am besten durch die Herausgabe seiner naturgeschichtlichen
Bücher. D>e Volksschullehrer aber, die auf dem Seminar in Lübenscher Manier vor
gebildet wurden, konnten sich fürs erste vom „System' nicht freimachen. Sie unter
richteten daher in derselben Weise wie die Lehrer an den höheren Schulen, natürlich zum
Schaden der Ausbildung der Kinder hinsichtlich des naturkundlichen Wissens. Zwar ver
suchten einige Männer, deren Namen einen guten Klang haben, eine Besserung herbei
zuführen, wie Teller, Scheller und vr. Rothe- Aber Junge war es vorbehalten, diesen
Umschwung herbeizuführen. Seine drei Schriften dürfen bei jedem Schulmanne als be
kannt vorausgesetzt werden. Auf seinen Schultern stehen Kießling und Pfalz, Twiehausen
und Vögler. Das Verdienst der genannten Männer besteht darin, Junge's Gedanken
ausgebaut, berichtigt, ergänzt, beschränkt und damit vervollkommnet zu haben. Den
Vorwurf, der Junge meines Erachtens ohne Berechtigung gemacht worden ist, daß seine
Forderungen zu hohe seien, haben jene Methodiker in ihren Lehranweisungen und prak
tischen Ausarbeitungen zunichte gemacht, indem sie wirklich nur das fordern, was unter
normalen Schulverhältnissen erreicht werden kann. Wer nun Junge genau angesehen
hat, der weiß, daß er in seinem „Dorfteich als Lebensgemeinschaft" ein Ideal zeichnet,
mit dem vor Augen der Lehrer arbeiten soll, ist sich besten aber wohl bewußt und spricht
es osten aus, daß er ein Ideal hingestellt hat. In der Pädagogik von Ostermann und
Wegener wird darum Junge's Dorfteich mit Recht ein „klassisches" Buch genannt.
— Die auch bei Junge dem Inhalte nach enthaltenen Forderungen, daß das Volk
richtige Ansichten und verständige Einsichten in das Leben der Natur
brauche, hat der Seminarlehrer Friedrich Baade zu Neu-Ruppin in seinen unten
genannten Schriften meisterhaft bearbeitet und damit bewiesen, nach welchen Richtungen
hin die gesunden Gedanken Junge's fruchtbar gemacht werden können. Baade's Arbeiten
begrüßen wir um so freudiger, weil sie uns zeigen, daß auch die Seminaristen die neuesten
Früchte der Entwickelung der naturkundlichen Methodik genießen und uns damit die Ge
währ geboten wird, daß die vom Seminar kommenden jungen Lehrer nicht in den alten
Geleisen weiter treten, sondern von vornherein in einer „Geist und Gemüt bildenden
Weise" auch den naturkundlichen Unterricht zu erteilen verstehen. Wenn bei dem jetzigen
Verfahren nur die eine Klippe vermieden wird, daß man nämlich bei den „richtigen
Ansichten" und „verständigen Einsichten" die auch auf diesem Gebiete unumgänglich
notwendige gedächtnismätzige Einprägung der richtig und verständig aufgefaßten
Wissensstoffe nicht aus dem Auge verliert, dann dürfen wir der Hoffnung Raum geben,
daß die Methodik des naturkundlichen Unterrichts auf guten Bahnen ist.
1. A. Sprockhoff, Schul-Naturgeschichte. 1. Abteilung: Zoologie. 2. Abteilung: Mi
neralogie. Verlag von Carl Meyer (Gustav Prior) zu Hannover.
Die Sprockhostschen Bücher gehören noch der Lübenschen Schule an. Daß sie in
ihrer Art mit großem Fleiß und nicht zu verkennendem Geschick gearbeitet sind, wird
man auf jeder Seite der Schriften sehen.
Die Zoologie enthält am Anfange eine vollständige Übersicht des Ganzen. Ver-
faster giebt sodann auf den Seiten 8—102 Einzelbilder, und zwar behandelt er A.
Vertreter der Kreise, B. Vertreter der wichtigsten Klassen, 0. Vertreter der wichtigsten
Ordnungen. Die Seiten 103—177 enthalten Gruppenbilder, wobei eine vollständige
Übersicht über das Tierreich gegeben wird. Der dritte Abschnitt (S. 178—186) spricht
sich über „Allgemeine Zoologie" aus. In diesem Teil, der unverhältnismäßig
kurz ausgefallen ist, will der Verfaster uns bekannt machen mit dem Bau, dem Leben, der
Bedeutung und der Einteilung der Tiere.
Ohne Frage wird Sprockhosis Zoologie in der Hand eines tüchtigen Lehrers Segen
stifcen. Ob aber das Urteil des Schulrats Schumann im Schulblatt für Brandenburg
über die „Zoologie" eine Empfehlung ist, lassen wir dahingestellt. Schumann rechnet es
dem Verfasser hoch an, daß derselbe sich „nicht auf neue Pfade hat verlocken lassen."
Die Botanik behandelt im ersten Teil die wichtigsten Kulturpflanzen und ihre
Feinde iS. 9 69), im zweiten einige witd wachsende Pflanzen nach ihren Standorten,
m dritten Abschnitt (2. Abteilung) wird eine systematische Botanik nebst Übersichten

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