111. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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der Zweckmäßigkeit in die Schilderung der Lebensweise zu verweben: mitunter könne
auch schon bei der Beschreibung angegeben werden, inwiefern diese oder jene Einrichtung
dem Zwecke entspreche. ^ t r
Es ist dem Verfasser hier und da der Vorwurf gemacht worden, daß derselbe die
Tierbeschreibung häufig zu sehr habe zurücktreten lassen. Ich kann mich diesem Vor
würfe nicht anschließen, um so weniger, je länger ich Baades Naturgeschichte bei meinen
Präparationen für den Unterricht benutze. Seine Bücher sind für die Hand des Lehrers
bestimmt, von dem jedermann fordern muß, daß er die gegebenen Fingerzeige dankend
verarbeitet. Ich habe die feste Überzeugung, daß Baade's Tierbetrachtungen geeignet sind,
in der Hand eines strebsamen Schulmannes großen Segen in der Schule zu stiften und
wünsche dem Buche eine recht große Verbreitung.
IL Teil: Pflanzenkunde. Preis 3 M.
In der Pflanzenkunde handelt es sich für die Volksschule um eingehende Betrachtung
einzelner Pflanzen, die von hervorragender Bedeutung für Menschenleben und Natur
haushalt sind, und auch solcher, die durch Eigenheiten ihrer Lebensweise besonderes In
teresse erregen. Aus diesem Grunde ist es nötig, verschiedene Lehrstoffe aus dem Unter
richt in der Pflanzenkunde in der Volksschule auszuscheiden, die bisher darin ihren Platz
behauptet haben. Baade zählt zu dem entbehrlichen Stofs:
1) Beschreibung aller der Pflanzen, die nur um der systematischen Vollständigkeit
willen in den Unterricht Aufnahme gefunden haben.
2) Definitionen und Charakteristiken der Gattungen, Familien, Ordnungen, Klassen.
3) Alle systematischen Einteilungen, die nicht zur besseren Übersicht über die notwendig
zu behandelnden Pflanzen durchaus nötig sind.
4) Eine große Zahl von Fachausdrücken, die aus den wissenschaflichen Diagnosen
auch in die Volksschule herübergenommen sind.
5) Begriffsbestimmungen aus der vergleichenden Morphologie.
Gereiftere Schüler müssen indessen von der Einzelbetrachtung zu Gesamtbetrachtungen
fortschreiten. Dazu eignen sich:
1) Gut umgrenzte systematische Gruppen.
2) Pflanzengenossenschaften, die der heimatlichen Landschaft das Gepräge geben.
3) übersichtliche Darstellung der Lebensarbeit der Pflanze und ihrer Werkzeuge.
Das Buch will ein Beitrag zu einer zeitgemäßen Umgestaltung des Unterrichts in
der Pflanzenkunde sein. Diesen Zweck erfüllt es. Die drei vorstehend bezeichneten Ge
sichtspunkte bestimmen die Einrichtung des Buches, die klar und mit Sorgfalt durch
geführt ist. Das Buch kann jedem Naturgeschichtslehrer warm empfohlen werden, da
es gewiß viel benutzt werden wird.
E. Leschke: Lehrplan der achtstufigen Mittelschule für Knaben zu Mühlhausen in Th.
Gera, 1893. Th. Hofmann. 96 S. i M.
Für diejenigen, welche die Lehrstoffe, die in einer 6—8 klassigen Mittelschule unter-
richtlich bearbeitet werden, kennen lernen und übersichtlich beisammen haben wollen, ist
das Buch sehr zu empfehlen. Den weitaus größten Raum (S. 8—94) nehmen die
Pensenaufstellungen ein, dieselben sind so zusammengestellt, daß man gern von ihnen
Kenntnis nimmt. Dabei überzeugt man sich bald, daß aus diese Verteilungen große
Mühe verwandt worden ist. Allerdings kann ich nicht alles gut heißen, z. B. daß der
Stoss der bibl. Geschichte nach konzentrischen Kreisen verteilt ist — man bedenke, welcher
Überdruß in den Schülern entstehen muß, wenn 5 oder 6 Jahre lang derselbe Stoff
wie z. B. die Erzählung von der Schöpfung rc. immer wieder auftritt, und zwar
wegen der Examinierbarkeit dieses Stoffes alljährlich nicht bloß einmal, sondern noch
viele andere Male wegen der unentbehrlichen Repetitionen. Ganz unwillkürlich wird
man da an das Wort eines angesehenen Schulmanns erinnert: „Die konzentrischen
Kreise sind der Tod des Interesse." Die Verteilung des Stoffs im Deutsch- und
Rechenunterrichte läßt ebenfalls den darauf verwendeten Fleiß erkennen. Mir deucht
jedoch, daß das Pensum für die unterste Klasse in beiden Fächern zu groß ist: die
.kleinen werden dadurch allzusehr angestrengt. Außerdem muß man sich gegenwärtig
halten, daß Laute, Buchstaben, Zahlen und Zahlenstellungen tote, des unmittelbaren
Interesses entbehrende Formenstellungen sind, mit denen die Kinder nur gezwungen
arbeiten. Die Einübung des kleinen Einmaleins sollte m. Er. im 1. Schuljahr nur

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