446
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
eingeleitet, im 2. fortgesetzt und erst im 3. Schuljahr vollendet und bis zur größt
möglichen Sicherheit geführt werden.
Recht trefflich ist die Anlehnung des Anschauungsunterrichts an die gleichzeitig be
handelten Lesestücke. Die Angabe des orthographischen Materials auf S. 28—30, 3 t
u. f. halte ich ebenfalls für recht verdienstlich, die Auswahl der zur Behandlung vor
geschriebenen Lese- und Sprachstücke für zweckmäßig, nur habe ich die Befürchtung, daß
die Zahl derselben für eine gründliche Behandlung zu groß ist. Dasselbe gilt von
dem Stoffe im Geschichtsunterrichte. So angebracht es erscheint, daß der Plan einen
vorbereitenden Kursus (die Thüringischen Sagen fürs 3. Schuljahr) festsetzt, so un
zweckmäßig ist der regressive Lehrgang im 4. Schuljahr, der mit Kaiser Wilhelm II.
beginnt. Die Verhältnisse und Ereignisse der Gegenwart sind viel zu kompliziert, als
daß 9—10jährigen Kindern ein Verständnis derselben verschafft werden könnte; der
Lehrer kann es bestenfalls nur zu einem Merken von Anekdoten und notizenhaften
Mitteilungen bringen. Auch bei der Anordnung des Geschichtsstoffes hat das Prinzip
der konzentrischen Kreise zu Grunde gelegen, während ein langsames Aufsteigen von der
alten zur neuen Geschichte in großen, zusammenhängenden Ganzen nach der von
Staude und Göpfert in ihren „Geschichtspräparationen" vorgeführten Weise der Ver
tiefung und dem Verständnis der verschiedenen Zeiten weit förderlicher wäre.
Gl. H. Gr.
Eh. G. Salzmanns ausgewählte Schriften. Mit Salzmanns Lebensbeschreibung
herausgegeben von Eduard Ackermann. Zwei Bände. (Mann, Bibliothek päda
gogischer Klassiker. Bd. 29 und 30.) XLV1 und 249, VIII und 294 S. Langen
salza, Herm. Beyer & Söhne. 1889 und 1891. Preis 5 M., geb. 7 M.
Den Schriften Salzmanns gebührt mit vollem Rechte ein Platz in einer päda
gogischen Bibliothek. Was ihnen eine besondere Bedeutung giebt, liegt in dem Um
stande, daß sie uns ein lebendiges und deutliches Bild geben von der mächtigen päda
gogischen Bewegung, die man mit dem Namen Philanthropinismus bezeichnet, als dessen
besonnenster und geschicktester Vertreter Salzmann anzusehen ist. Während der Be
gründer des Philanthropinismus, Rousseau, nur als pädagogischer Schriftsteller thätig
war, hat Salzmann nichts geschrieben, was er nicht auch praktisch erprobt hatte. Dar
uin ist in seinen Schriften viel Wertvolles enthalten: sie halten sich fern von den
Auswüchsen und Verirrungen, die an seinen Geistesverwandten so oft getadelt ivorden
sind. Wir lernen in ihm einen erfahrenen Schulmann kennen, dem eine unerschütterliche
Gewissenhaftigkeit eigen und der mit der größten Begeisterung für seinen Beruf erfüllt
ist. Aus einem Studium der Salzmannschen Schriften, in denen außerdem auch über
all ein warmer, freundlicher Ton herrscht, wird darum jeder Lehrer reichen Gewinn
ziehen.
Die vorliegende, von kundiger Hand bearbeitete Ausgabe der Salzmannschen
Schriften enthält folgende Einzelschriften: 1. Krebsbüchlein. 2. über die wirk
samsten Mittel, Kindern Relig ion beizubringen. 3. Noch etwas über
die Erziehung nebst Ankündigung einer Erziehungsanstalt. 4. Kon
rad Kiefer. 5. Ameisenbüchlein. Dem Text ist eine große Zahl von An
merkungen und Erläuterungen beigegeben. Vorausgeschickt ist dem Ganzen eine aus
führliche Lebensbeschreibung und Würdigung der Persönlichkeit Salzmanns. Daß sich
das vorliegende Werk auch durch eine gediegene äußere Ausstattung auszeichnet, ver
steht sich bei der bekannten Verlagshandlung, die eine Sammlung der bedeutendsten
pädagogischen Schriften aller Zeiten veranstaltet hat, von selbst.
Elberfeld. Aug. Lomberg.
Lange, Dr. Karl: Die Bedeutung der Heimat für das geistige Leben des Menschen.
Eine Festrede. 2. Aust., 1893. 22 S. Plauen in V., Druck und Verlag von F.
E. Neupert.
Der Verfasser, bekannt durch seine treffliche Monographie: „Über Apperzeption,"
behandelt in der vorliegenden kleinen Schrift das Gebiet derjenigen Vorstellungen, in
denen die lebendigsten Nährquellen des Geistes liegen und denen darum die
höchste Apperzeptionskraft innewohnt. Es ist die Heimat, welcher der Ver
fasser diese hohe Bedeutung zuschreibt. Nach allen Richtungen hin legt er deren Ein
fluß auf das geistige Leben dar, und an der Hand zahlreicher Beispiele weist er nach,
wie sich je nach der Beschaffenheit des heimatlichen Bodens auch das Innenleben^des
Menschen in eigenartiger Weise entwickelt. Die einzelnen Ausführungen des Verfassers,
der für seinen Gegenstand lebhaft erwärmt ist, haben ein ganz besonderes Interesse für

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.