Dezember 1895.
I. Abteilung. Abhandlungen.
Aus dem Nachlasse ch F. W. Dörpfelds.
Die Abwege der neuern Gcistcsentwicklnng?)
1. Bei den wohlhabenden (kapitalbesitzenden) Klassen im rüstigeü
volkswirtschaftlichen Schaffen — ein System unehrlicher Ausbeutung,
Gier nach schnellem Gewinn — verbunden mit zur frivolsten Üppigkeit fort
treibender Genußsucht —: Grün dergewinn - Plündergewinn - öko
nomisches Freibeutertum. Daraus ergeben sich Klagen gegen unsere
gesellschaftliche (juristische) Ordnung: kein Schutz. Warum? Teils infolge
der platten (abstr.) Freiheitsbegriffe einer national-ökonomischen Schule; teils
durch das Rechtsstudium auf den Universitäten, das Abgelebtes massenhaft mit
schleppt und zu wenig den Sinn für das wirkliche Leben weckt.
2. Bei den kapitallosen Handarbeitern: Bestrebungen — auf
Umsturz der Eigentumsverhältnisse und der darauf sich stützenden gesellschaftlichen
Ordnung. Gerechtfertigt ist dabei: bei der plötzlichen Erhöhung der Lebensmittel
preise die Forderung der Lohnerhöhung; zu beklagen: daß die Lohnerhöhung
wie die Verkürzung der Arbeitszeit zu wenig der Familie, Frau und Kindern,
und der größern Pflege der Bildung zu gute kommt, sondern der Genuß
sucht im Wirtshausleben. Verderblich und gefährlich: daß Lassalle in verkehrter
Weise die Staatshülfe in Anspruch nehmen will für Produktivgenossenschaften
— damit ist das Feld der politischen Agitation betreten, um eine Umwandlung
des Staatswesens in diesem Sinne zu erstreben. Summa: eine Lebensanschauung
geht durch alle Klassen, welche den Stempel eines mehr oder weniger aus
geprägten Materialismus und Naturalismus an sich trägt.
Woher diese materialistische und naturalistische Strömung?
Die Geschichte zeigt je und je eine Hebung und Senkung in den beiden Grund
richtungen zu dem Übersinnlichen, Idealen und Göttlichen und zu dem Sinnlichen,
Materiellen und Tierischen. Darum ist der Materialismus nicht eine vereinzelte
Erscheinung — als das Ergebnis der Abirrung in der philosophischen Denkweise,
9 Diese vor bald 25 Jahren aufgesetzte Studie wird den Lesern willkommen sein;
denn auch hier zeigt sich wieder der klare, weite und überall auf die Wurzeln der Zu
stände zurückgehende Blick unseres Dörpfeld, dem Volkspädagogik im großen Stil ebenso
am Herzen lag, wie Schulpädagogik. Auch ist sie jetzt noch nützlich angesichts des be
liebten Geredes, der Materialismus sei ein wissenschaftlich längst überwundener Stand
punkt! Die Schriftl. 34

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