Religionsunterricht und Schulaufsicht rc.
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religiöse Unterweisung nicht auf gesonderten psarramtlichen Unterricht beschränkt,
sondern muß auch in allen der allgemein menschlichen Bildung dienenden Unterrichts
und Erziehungsanstalten erteilt werden.
2. Daraus folgt, daß in denselben der Kirche für ihre Arbeit genügend Raum und
Freiheit gelassen werden muß.
3. Weil diese Anstalten im Interesse des ganzen Volkes, das im Staate zur Einheit
zusammengefaßt ist, und von dem die einzelnen religiösen Bekenntnisgemeinschaften
nur Teile sind, der Gesetzgebung und der Oberaufsicht des Staates unterstehen, so
hat jede Kirche auch hier innerhalb der Apg. 5, 29 gezogenen Grenze den Geboten der
Obrigkeit von Gott Gehorsam zu leisten,
wie andrerseits der Staat schon um seiner selbst willen verpflichtet ist, alle von ihm
ausgehenden Einrichtungen und Anordnungen so zu treffen, daß jede Beeinträchtigung
der kirchlichen Arbeit für das höchste Gut des Volkes und ihres Erfolges ver
mieden wird.
4. Die ganze Organisation dieser Schulen und ihrer Leitung hat wiederum keinen anderen
Hauptzweck als die Ermöglichung und die Förderung der mannigfach gegliederten
Unterrichtsarbeit, der Erzeugerin der Werte,
und es ist daher auch bei der Feststellung der Organisation im einzelnen allemal
denjenigen Maßnahmen und besonders denjenigen Personen der Vorzug zu geben,
von welchen die reichste Förderung der Arbeit zu erwarten steht.
A. Der Religionsunterricht.
I. Der Staat kann zu dem Religionsunterricht nur den formellen Befehl
bezw. die Erlaubnis geben.
sZu inhaltlicher Beauftragung mit der Erteilung eines bestimmten Religions
unterrichts hat ein interkonfessionelles Gemeinwesen weder Befugnis noch Anlaß;
es ist gar nicht in der Lage, sachlich für irgend einen konfessionellen Religions
unterricht einzutreten, müßte es vielmehr als ihm sehr erwünscht begrüßen, wenn
die verschiedenen konfessionellen Gemeinschaften sich aufzulösen und sich zu einer
einzigen, neuen, alle Vorzüge der jetzt bestehenden in sich fassenden zu vereinigen
vermöchten. Nur das formelle Recht hat der Staat, anzuordnen, daß den Zög
lingen aller Erziehungsanstalten seines Bereiches Rel.-Unterricht erteilt werde und
zwar, so lange die religiös-kirchliche Sonderung fortdauert, nach der — staats
gesetzlich zugelassenen — Lehre und Meinung der betreffenden Religionsgemeinschaft,
d. h. durch deren eigene Beauftragte.)
II. Der Religionsunterricht selbst — Erteilung und Leitung (Anordnung
und Inspektion) — ist Sache der Kirche.
III. Erteilung wie Leitung darf weder der Staat der Kirche abnehmen
(nicht durch Mitglieder der Kirche als seine Beamte nach seinen Anordnungen
besorgen lassen) noch die Kirche an den Staat abgeben.
IV. Die Erteilung des Rel.-Unterrichts geschieht überall durch die Religions-
lehrer der Kirche: die Geistlichen, die Religionslehrer an den höheren Schulen

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