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n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens K.
Lage seines Standes zu liefern. Ohne Kenntnis derselben lassen sich jedoch die
Folgen, welche die Überlastung des Lehrers mit Schulkindern und Schulstunden
nach sich zieht, nur ungenügend beurteilen und begreifen. (Fortsetzung folgt.)
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Einige Gedanken von Charles Dickens über Erziehung
und Bildung.
Dickens (1812—1870) hat in John Förster einen sorgfältigen Biographen
gefunden, der uns in einem dreibändigen Werke das Leben und die Entstehung
der Schriften des bedeutenden Mannes vorführt. Da Dickens Werke auch unter
uns eine große Verbreitung gefunden haben, erscheint es ganz passend, aus der
Lebensbeschreibung einiges hervorzuheben, was uns auf die pädagogischen Gedanken
des Mannes hinweist, der ein so feiner Beobachter und Maler der menschlichen
Gemütsregungen war und auch in den verkommenen Schichten der Menschheit
noch göttliche Spuren aufzufinden vermochte.
„Was ich in meinem Leben zu thun versucht habe, habe ich immer mit
ganzem Herzen versucht gut zu thun. Wenn ich mich einer Aufgabe widmete, so
widmete ich mich ihr ganz. Nie nur eine Hand an das zu legen, worauf ich
mein ganzes Selbst wirken lassen konnte und nie meine Arbeit zu unterschätzen,
was sie auch sein mochte, das waren, wie ich jetzt finde, meine goldnen Regeln."
So stellt Dickens den Weg dar, auf dem er, nach einem ganz ungenügenden
Schulunterricht in den beginnenden Jünglingsjahren sich selbst erzogen*) und sich
den weiten Kreis der Bildung erschlossen hat, der ihn befähigte, seine so berühmten
Werke zu schreiben und einen Platz in der höchsten Gesellschaft einzunehmen. Wie
lebhaft erinnert dies an die Vorschrift unsers Dichters, der dazu mahnt, im
kleinsten Punkte die höchste Kraft zu sammeln!
Bei einer Rede, als er Preise verteilte in Arbeiterbilduugsvereinen, schilderte
er in seiner anziehendsten Sprache die wackeren Arbeiter, welche die Preise ge
wonnen hatten, und schloß mit der Ermahnung, welche er nie unterließ mit seinen
Lobreden auf die Erkenntnis zu verknüpfen; daß sie der Lehre des Erlösers folgen
und nicht bloß den Verstand befriedigen sollen. „Die Erkenntnis besitzt eine sehr
beschränkte Macht, wenn sie nur den Kopf aufklärt; aber wenn sie auch das
Herz bildet, hat sie Macht über Leben und Tod, über Leib und Seele und be
herrscht die Welt."
Dickens, der eine sehr harte Jugendzeit erlebt hatte, war für Erziehung und
Belehrung der Kinder von Armen in mancherlei Weise thätig. Er zeigte, wie
gefährlich es sei, eine geringe Kenntnis gefährlich zu nennen und erklärte, daß er
die geringste der geringen gar keiner vorziehe. Dieser Geist trieb ihn auch an,
das merkwürdige Institut der „Lumpenschulen" eifrig zu bewillkommnen, die, von
0 Sein Vater sagte von ihm: Er hat sich selbst erzogen.

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