Religionsunterricht und Schulaufsicht rc.
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Man halte doch fest, daß die Volksschullehrer bei den Schulkindern ebenso
gut Religionslehrer der Gemeinde sind wie die Ortsgeistlichen, als solche von
diesen auch durchaus nicht allgemein übertroffen werden und daher in ihrem
Religionsunterricht nicht von ihnen, sondern mit ihnen von einem übergeordneten
kirchlichen Fachmann von erprobter größerer Tüchtigkeit und Erfahrung inspiziert
werden müssen, wenn das Inspizieren überhaupt seinen Namen verdienen soll.
Nur da, wo ein Superintendent (Dechant) zu der Arbeit der Inspektion die Zeit,
die Fähigkeit und die Neigung hat, werde sie ihm übertragen.
(Diese kirchlichen Inspektoren sind nicht Revisoren, sondern die Unterrichts
arbeitprüfende, belehrende und sonst helfende geistliche Pfleger des Unter
richts. Nicht im Inspizieren (im engeren Sinne) und Anordnen — für welches
beides wegen der Natur des Religionsunterrichts Häufigkeit und Schärfe sich von
selbst verbieten, auch von einem erfahrenen Amtsbruder des einen Teils der
Lehrenden nicht leicht zu erwarten sind —, sondern in den unter der Leitung
und Mitarbeit der Inspektoren geschehenden gemeinsamen Beratungen,
Vereinbarungen und Ausarbeitungen, in der Lebenskraft der
so geordneten Arbeitsgemeinschaft der Geistlichen lind der
Lehrer (als in der Unterweisung und Erziehung der schulpflichtigen Zugend
völlig koordinierter und frei und freudig verbundener Männer) liegt die Be
deutung , das Wesen der Synodalinspektion. Vgl. des Verfassers Druckschrift
„Der Schulfriede", S. 24, 38, 41, 47, 51. 57—59, 63.)
VII. Die kirchliche Leitung des Religionsunterrichts der Volksschule muß
zur Wahrung des konfessionellen Friedens, zur Sicherung der Jugend gegen Über
bürdung, um der Einheitlichkeit der Schulaufsicht und Schularbeit und um an
derer Interessen willen, die der Staat an der Volksschule hat, unter staatlicher
Oberaufsicht erfolgen (die heutige Volksschule ist eine Veranstaltung des Staates,
der Obrigkeit von Gott).
VIII. Im einzelnen empfehlen sich folgende Festsetzungen:
1. Der ganze Schul-Religionsunterricht wird von dem Lehrer erteilt.
2. Die Lehrpläne für diesen Unterricht (einschließlich der Lehrmittel) werden
von den kirchlichen Behörden unter Mitwirkung der Lehrer aufgestellt, bedürfen
aber der staatlichen Genehmigung; die letztere darf nicht um eines Lehrinhalts
guten Erteilung des pfarramtlichen Unterrichts wie Geistliche und Laien an einer solchen
des Schul-Religionsunterrichts, und so ist es auch aller Glieder der Kirche Recht und
Pflicht, für beide Arten des Unterrichts die bestmögliche Beratung und Pflege zu fordern.
Wenn man diese Forderung bisher den Geistlichen gegenüber in zurückhaltender Höflich
keit wenig betont hat, so ändert das nichts an ihrer Berechtigung und Dringlichkeit
und hilft nur den Wunsch begründen, daß man fortan allerseits bezüglich der gesamten
religiösen Jugendunterweisung in seinen Forderungen sich des suaviter in modo, for-
titer in re befleißige.

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