Religionsunterricht und Schulaufsicht rc.
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C. Die dringendsten Kinzetforderungen,
welche in A und B enthalten sind, bezw. sich daraus ergeben.
a) an den Staat:
I. Regelung aller äußeren amtlichen Verhältnisse der Volksschullehrer als
Staatsdiener (Artikel 23 der preußischen Verfassungsurkunde) durch staatliche
Gesetzgebung und Verwaltung, unter staatlich geordneter Mitwirkung der Schul
gemeinde- und Schulbezirksvertretungen.
II. Staatliche Oberaufsicht über die gesamte Unterrichts- und Erziehungs
arbeit der Volksschule (ebds.),
staatliche fachmännische Leitung des ganzen weltlichen Unterrichts,
kirchliche fachmännische Leitung des Religionsunterrichts (Verf.-Urk. Art. 24,
Satz 2) — auch in den (konfessionell zu sondernden) Seminaren —
und damit völlige Aufhebung der geistlichen Ortsschulinspektion wie jeder
kirchlichen Inspizierung des weltlichen Unterrichts.
III. Soweit durchführbar,
rein konfessionelle Schulen und Gründung des Unterrichts auf die der Kon
fession eigene religiöse Lebens- und Weltanschauung,
konfessionelle Schulgemeinden (Schulbezirkes,
konfessionelle Ortsschulaufsicht und -Pstege durch einen aus allen Interessenten
kreisen zusammengesetzten Schulvorstand (in der Regel unter Vorsitz des Geist
lichen) mit Ausschluß jeder Inspektion des Unterrichts,
konfessionelle fachmännische Kreisschulinspektion.
(So wichtig und dringend die Forderungen unter III auch sind, so stehen
sie doch nicht in gleicher Refhe mit der dritten und vierten der unter II auf
geführten. Denn abgesehen davon, daß vorab die Kirche von dem Unrecht ab
lassen muß, das sie dem Staate thun hilft (II., 4. Forderung), ist das erste,
was geschehen muß, daß der Kirche ermöglicht wird, ihre Arbeit an den Herzen
zu thun durch die Erteilung und Leitung des Religionsunterrichts, durch „die Lehre",
wie überall unter den Rechten diejenigen voraufstehen, deren man zur Erfüllung
seiner Pflichten bedarf. In zweiter Linie folgt dann die Forderung, in der
Organisation weiterhin alles fernzuhalten, was den Erfolg der kirchlichen Arbeit
beeinträchtigt, eine Forderung, deren Verwirklichung die Kirche um so eher er
reichen, auch mit um so geringerem Schaden entbehren wird, je eifriger und
sorgsamer sie ihre Arbeit ihrerseits zu vervollkommnen sucht. Ins
besondere wird der in bestimmten Verhältnissen nicht zu vermeidende Mangel des
konfessionellen Elementes in der fachmännischen Kreisschulinspektion zu Bedenken
wesentlich weniger Anlaß geben, wenn die volle kirchliche Leitung des Religions
unterrichts (und die Konfessionalität der Schule und des Schulvorstandes) gewahrt
sind. Vgl. Schulrat Fr. Polacks Abhandlung „Die simultane Kr eis-
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