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I. Abteilung. Abhandlungen.
Schulaufsicht" in den Rheinischen Blättern für Erziehung und Unterricht,
69. Jahrgang, 1895, Heft I, Seite 28—52!]
b) an die Kirche-.
I. Die Kirche erteilt allen noch als Ortsschulinspektoren
amtierenden Geistlichen den Auftrag, die technische Ortsschul
aufsicht, die Inspektion, nach angemessener Frist in die Hände
des Staates zurückzugeben.
Gründe.
(Vgl. F. W- Dörpseld, Ein Beitrag zur Leidensgeschichte der Volksschule,
Seite 30-159!]
1. Die geistliche technische Orts-Schulaufsicht ist für zahlreiche Geistliche zu
einem Gewissenszwang geworden.
2. Sie ist jetzt eine Ungerechtigkeit gegen die Volksschullehrer (wegen der
vollzogenen mannigfaltigen Ausgestaltung des Bolksschulunterrichts, dessen rechtes
Gedeihen sie beeinträchtigt, wegen der erreichten beruflichen Mündigkeit des Volks
schullehrerstandes und weil sie den Lehrern die Erlangung der ihnen gebührenden,
auch im Interesse ihrer Arbeit für sie zu fordernde» Amts- und Standesrechte
unmöglich macht),
und die Kirche ist wohl zur Erduldung einer Ungerechtigkeit (aus Not) ver
pflichtet, nicht aber zu aktiver Teilnahme an einer solchen berechtigt, untergräbt
sich vielmehr durch ein weiteres Beharren aus derselben ihren religiösen und mo
ralischen Kredit und bewirkt, daß die Liebe erkaltet, beides in den Herzen der
jenigen ihrer Religionslehrer, denen sie den weitaus größten Teil ihres Religions
unterrichts übertragen muß.
3. Sie schädigt daher die sittliche Gesundheit der fortschreitenden Entwicklung
des Volksschullehrerstandes.
4. Sie wird von der Lehrerschaft weit mehr der Kirche als dem Staate
verübelt, weil jene an die Kirche als die Vertreterin der Religion der Liebe
größere ethische Ansprüche stellt als an den Staat und in ihr die eigentliche Ur
heberin der Fortdauer der Inspektion sieht.
5. Sie besonders verschuldet, daß der berechtigte innere Einfluß der Kirche
auf die Schule, genauer: der Geistlichen auf die Lehrer immer geringer ge
worden ist.
6. Sie ist für die Kirche überflüssig, weil
u) der Kirche auch seit 1872 ohnedies eine Beaufsichtigung des Religions
unterrichts, für den allein sie in der Schule verantwortlich ist, gestattet
und ermöglicht ist, und weil diese allerdings noch unvollständige Leitung
durch die geistliche Ortsschulinspektion nicht ergänzt und verbessert, son
dern mangelhaft gelassen und fehlerhaft dazu gemacht wird und daher

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