Religionsunterricht und Schulaufsicht rc.
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auf anderem Wege, zur Synodalinspektion, erweitert und vervollkommnet
werden muß,
b) weil Geistliche wie Laien der Kirche schon an der geordneten und wirk
samen Beaufsichtigung der Lehrer und ihrer Thätigkeit durch den Orts
schulvorstand teilnehmen (vgl. B V, Ende),
c) weil die Interessen der Kirche in der ganzen Volksschularbeit vor allem
durch die Volksschullehrer selbst gewahrt werden, die
mündige, vollberechtigte Glieder der Kirche,
deren eigene, ordnungsmäßig und vollständig vorgebildete Religions
lehrer, ihre specifischen Organe*) für den Schul-Religionsunterricht,
ihre berufenen Vertreter im Kreise der schulpflichtigen Jugend,
Haupterzieher der letzteren in öffentlichem Amt sind
und in allen diesen Beziehungen nach Erfahrung und amtlichem
Zeugnis keineswegs allgemeinhin den Ortsgeistlichen nachstehen,
bei denen auch biblisch gläubige Weltanschauung und christlicher
Lebensernst nach Vorbildung und äußerer Lebensgestaltung in den ein
zelnen Lebensaltern durchaus nicht mehr gefährdet sind als bei den
Geistlichen, — so daß evangelische Lehrer jetzt schlechterdings kein Ver
ständnis mehr dafür haben, daß immer noch Geistliche ihrer Kirche
fl Mehrfache Erfahrungen machen es nötig, dies wiederholt hervorzuheben und ein
mal durch den Hinweis auf folgende Thatsachen laut zu bekräftigen: Für uns Prote
stanten sind die Geistlichen nicht die Organe der Kirche, sondern Organe der Kirche
(wie die Presbyterien u s. wfl, nicht die persönlichen Organe der Kirche, sondern per
sönliche Organe derselben (wie die Kirchmeister und andere), nicht die lehramtlichen, son
dern lehramtliche Organe (neben den Religionslehrern an höheren Schulen, den Volks
schullehrern u. a.) nicht die „eigentlichen, specifischen", die „berufenen", sondern specifische
und berufene Organe wie alle Organe der Kirche, deren jedes an seinem Orte seinen
besonderen kirchlichen Beruf hat. Nur in der Seelsorge im engeren Sinne des Wortes,
insbesondere für die „kirchlichen Handlungen", sind sie bis jetzt die einzigen amtlichen
Organe der Kirche, und wir wünschen, daß sie dies auch bleiben, und daß sie hier, wo
es so sehr not thut, die volle Entfaltung ihrer geistigen und gemütlichen Kraft bethätigen,
daß sie sich daher weder in die socialpolitische Unendlichkeit verlieren noch auf dem
Schulgebiete die Arbeit anderer Berufsstände thun wollen. Im Dienst der Jugend
unterweisung können sie das Ihrige durch den pfarramtlichen Unterricht leisten. Sollen
darüber hinaus in größerem Maße Theologen als Schulmänner dem heranwachsenden
Geschlecht religiöse und kirchliche Gesinnung einpflanzen helfen, so ersuchen wir sie, nicht
der Volksschule, die von zahlreichen starken Garantien für die Wahrung der religiösen
und kirchlichen Interessen erfüllt und umgeben ist (und noch reichlicher leicht anderswie
umgeben werden kann), sondern den vielgestaltigen höheren Schulen sich zu widmen, auf
die sie auch ihre akademische Vorbildung hinweist, und für deren Schüler es vom kirch
lichen Standpunkte aus jedenfalls viel wünschenswerter ist, etliche theologisch gebildete
Fachlehrer als etwa, wie es vorkommt, Klasie um Klasse einen glücklich zu einer Fa
kultas für Religion gelaugten Nichttheologen zum Religionslehrer zu haben.
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